
© Bernie Wrightson
Letzten Sonntag Morgen wachte ich mit leichten Kopfschmerzen auf. Obwohl ich nicht getrunken hatte, brummte mir der Schädel. “Was habe ich nur getan, dass ich so gestraft werde?”, dachte ich und zappte zur Zertstreuung die Flimmerkiste an. Ich blieb bei der Disney-Serie “Darkwing Duck” hängen. Der Schrecken, der die Nacht durchflattert, ließ mich für einen Augenblick meinen Brummschädel vergessen. Doch schon Sekunden später setzten die Schmerzen wieder ein. Diesmal waren sie jedoch anderen Ursprungs: ich hatte doch tatsächlich zum ersten Mal bemerkt, dass DD eine kindergerechte Kopie der grandiosen Pulp- und Crime-Serie “The Shadow” ist. Wie konnte ich das erst so spät merken?! Ich schämte mich und griff mit vor Selbsthass zitternden Händen zur Flasche - zur Eisteeflasche. Ich begann zu grübeln. Vielleicht war meine langjährige Ignoranz ja der Grund für meine momentanen Kopfschmerzen. “Hahahahahaha,” ich lachte das eisige Lachen des Shadow und verschluckte mich dabei am gerade gierig geschlürften Eistee. Genug! Das war der Zeichen genug. Ich hatte verstanden. Ja, ich würde so bald wie möglich den Irrtum - oder besser: das Verbrechen der Verwechslung des Shadows mit der albernen Erpel-Kopie öffentlich gestehen. Lest mein Schuldbekenntnis. Mea culpa.
The Shadow
Erfunden wurde der “Dark Night Detective” bereits in den 1930er Jahren von dem Journalisten Walter B. Gibson unter dem Pseudonym Maxwell Grant. Zuerst war der Shadow der Held einer amerikanischen Radiokrimiserie und wurde dabei von dem Mimen Orson Welles (”Citizen Kane“) gespielt. Später tauchte er auch in Comics und Pulp-Magazinen auf. Der Charakter kann als Archetypus des klassichen Comichelden bezeichnet werden. Ähnlich wie bei dem von Bob Kane geschaffenen Batman tarnt sich auch der Shadow tagsüber als reicher, schnöseliger Lebemann und geht des Nachts auf Verbrecherjagd, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Hilfreich zur Seite stehen ihm dabei ein paar getreue Verbündete und zwei automatischen Pistolen.
Ende der 1980er Jahre versuchte DC Comics die Shadow-Reihe wieder aufleben zu lassen. Die ersten Episoden wurden von der Kritik sehr gelobt und versprühten den Charme der herrlich-düstern Pulp-Magazin-Cover der 30er. Zeichner dieser Geschichten war Mike Kaluta, für den Text zeichneten sich verschiedene Autoren verantwortlich. Nach sechs Episoden gab Kaluta die Serie jedoch leider auf. Mit seinem Weggang starb auch die Serie, denn die Verantwortlichen entschieden sich den Mythos des Shadow von den 30ern in die Gegenwart zu verlegen und nahmen ihm damit den besonderen Charme. Darüber hinaus steckten sie den Helden in einen Robotor-Kampfanzug, was die Serie endgültig ruinierte. Und so kam es wie es kommen musste: das Publikum verlor das Interesse und der Umsatz blieb aus. Verbrechen trägt bekanntlich bittere Früchte und zahlt sich niemals aus - der Shadow weiß es. Hahahahahaha.
Darkwing Duck
Dieser vertrottelt-sympathische Erpel machte in den Jahren 1991 und 1992 Jagd auf den Abschaum von Erpelsburg. Sein Hauptquatier ist versteckt in der größten Brücke der Stadt. Unterstützt bei der Verbrecherjagd wird Darkwing Duck von seiner Adoptivtocher Kiki Erpel (im engl. Original: Gosalyn Mallard), Quack (Launchpad McQuack) und Alfred Wirrfuß (Honker Muddlefoot). Mehr gibt es zu dieser Disney-Kreation nicht zu quaken: Zwo, eins, Risiko.


© Disney (Darkwing Duck) und Mike Kaluta/DC Comics (The Shadow)




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