FloNet

Miezen, Blei und Blut

Januar 22, 2008 · Kommentar schreiben

hardboiled.jpg

© Frank Miller and Geof Darrow

Der Hardboiled detective ist ein Asphaltcowboy, nur den eigenen Vorstellungen von Recht verpflichtet. Er hat eine illusionslose bis zynische Sicht auf die Welt, nimmt keine Rücksicht auf geltende Gesetzesnormen, macht unbedenklich von der Schusswaffe Gebrauch und lebt in latentem oder offenem Konflikt mit der Polizei. Er bevorzugt hochprozentige Getränke, als Mann ist er sexuellen Abenteuern deutlich zugeneigt, hat jedoch gleichzeitig ein vergleichsweise hohes Maß an Frauenverachtung. (Quelle: Wikipedia; Stand 22. Januar 2008)

Dieses Genre der amerikanischen Kriminal- und Pulp-Literatur ist eng verknüpft mit dem Namen Mickey Spillane („Mike Hammer“), Raymond Chandler („Philip Marlowe„) und Dashiell Hammett („Sam Spade“). Die von diesen Autoren geschaffenen Helden „glänzen“ durch ihre Brutalomethoden und ihre Machoattitüden. Es sind also ganz normale Männerfiguren wie Du und ich. :)

Auch in der Welt der Comics hat der „hardboiled detective“ ein Zuhause gefunden. Gerade die von Frank Miller 1991/92 mit „The hard Goodbye“ begonnene Comic-Serie „Sin City“ ist das Musterbeispiel für eine gelungene Umsetzung des insbesondere auch durch die „Film Noir“ geprägte Bildsprache des Genres. In harten Schwarzweiß-Kontrasten bebildert Miller die Aktionen seiner holzschnittartigen Charaktere und lässt den Leser dabei tief in die düstere Welt der Gangster und Skrupellosen eintauchen. Die Geschichte um den miesen Schläger Marv war so erfolgreich, dass noch weitere Geschichten und sogar ein Kinofilm folgten.

Sogar noch vor Sin City kreierte Miller zusammen mit dem Zeichner Geof Darrow die satirische Science Fiction Crime Story „Hard Boiled“. Die Geschichte dreht sich um einen Typen namens Nixon bzw. Carl Seltz oder auch Carl Burns – so genau weiß der Protagonist das selbst nicht. Fest steht nur, dass sein neuer Auftrag ihn zu einer alten Frau führt, die offenbar schuldig der Vorspiegelung falscher Tatsachen ist. Damit konfrontiert nimmt die Oma scheinbar ein Kind als Geisel und eröffnet das Feuer. Nach vielen Explosionen und noch mehr Verbrennungen später erwacht Seltz alias Burns oder Nixon ohne Haut und Fleisch, dafür aber als Roboter wieder. Seine Antwort darauf: „What the heck’s going on? I thought I was a normal guy! I can’t go back to the wife and kids looking like this.“ Tja, der Mann hat Probleme …

Wem diese Geschichte nun etwas dünn erscheinen mag (sie basiert übrigens auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick), liegt nicht ganz falsch. Dennoch ist „Hard Boiled“ eine humorige Unterhaltung und Bereicherung für jeden, der den Widrigkeiten des Alltags stets mit einer großen Portion Zynismus begegnet. Das Highlight dieses Comics sind aber die äußerst detaillierten und von Action druchfluteten Zeichnungen Darrows. Selten zuvor und auch nicht mehr allzu oft nach „Hard Boiled“ hat man solche druchgearbeiteten und liebevoll gestalteten Zeichnungen gesehen. Es scheint so, als ob jedes Schräubchen und Metallstück, welches aus den explodierenden Autowracks und zerplatzenden Körpern fetzt, originalgetreu abgebildet wird. Für manche sind derlei Szenen Zucker für die Augen für andere dagegen ist die damit verbundene Gewaltdarstellung ein hervorragendes Brechmittel. Die „Mutigen“, die sich dennoch trauen, diesen Comic einmal durchzublättern können sich auf 128 Seiten feinste „Hard boiled“-Action freuen.

Kategorien: Comic · Culture
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

0 Antworten bis hierher ↓

  • Bis jetzt noch kein Kommentar ... Bring die Sache ins Rollen, und füll das untere Formular aus.

Kommentar schreiben