Irgendwann kommt jeder einmal in den “Genuss”, eine oder vermutlich eher mehrere Bewerbungen zu schreiben. Die Anforderungen auf interessante Stellen beinhalten meist ein abgeschlossenes Hochschulstudium, Auslandsaufenthalte, außerstudentisches soziales Engagement, mehrere Jahre Arbeitserfahrung und natürlich ein Höchstalter von 23 Jahren. Zum Glück gibt es aber Alternativen zur Beschäftigung bei McKinsey, Auswärtiges Amt oder bei der EU (sorry, die EU nehme ich wieder aus der Liste: die nehmen wirklich jeden
), z. B. die Erotik- und Werbebranche und zwar genau in dieser Reihenfolge. Hier wird Leidenschaft nämlich noch wirklich geschätzt.
Ein guter Bekannter, nennen wir ihn Larry, bewarb sich kurz vor Ende seines Studiums bei einem bekannten Herrenmagazin in München. Frei nach dem Motto “ich war jung und brauchte das Geld” verfasste er eine ziemlich unorthodoxe E-Mail und schickte sie an den Chefredakteur des Hochglanzmagazins. Wider Erwarten entwickelte sich ein witziger Briefwechsel [alle Namen wurden geändert, Rechtschreibfehler jedoch beibehalten, um die Authenzität zu wahren]:
Sehr geehrter Herr Redlich,
mein Name ist Larry und ich studiere Politikwissenschaft, Soziologie und Kunstgeschichte mit dem Abschlussziel Magister Artium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Im Februar 2006 werde ich voraussichtlich mein Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Während meines Studiums habe ich mich intensiv mit den Herausforderungen der internationalen Beziehungen befasst. Besonderes Interesse entwickelte ich dabei für sicherheitspolitische Fragen. Meine Magisterarbeit schrieb ich darum über die Problematik der Nichtexistenz einer international akzeptierten Definition von Terrorismus.
Dabei wurde mir bewusst, dass die Lösung für alle sicherheitspolitischen Fragen Sex ist. Nicht umsonst proklamierten die großen Sexprophten, auch Hippis genannt, zu Zeiten des Vietnamkrieges “make love not war”! Besonders erfreulich für den Weltfrieden ist darum die Existenz von XXX. Andere Magazine sind schamhaft bemüht den prickelnden Inhalt ihrer eigenen Artikel duch die Verwendung medizinischer Fachausdrücke wie “Penis” zu kaschieren. XXX ist da vollkommen anders. Hier schämt man sich nicht für das, was der Mensch ist: das geilste Wesen auf dem Erdball. Gerteu dem Motto “hier bin ich Schwanz, hier darf ich es sein”, werden hier die Dinge beim Namen genannt. Denn wir alle wissen, dass Männer so sind, wie sie sind.
Dieser Ansatz gefällt mir sehr und ich würde mich darum freuen, wenn ich die Möglichkeit erhielte, für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten ein Teil des XXX-Redaktionsteams werden zu dürfen. Von einem Praktikum bei Ihnen im Redaktionsbereich verspreche ich mir einen detaillierten Einblick in den Entstehungsprozess eines Herren- und Lifestylemagazins ihrer Gewichtsklasse. Frühestmöglicher Beginn des Praktikums wär der 1. März 2006, da ich bis einschließlich Februar noch mit meinem Studium beschäftigt sein werde. Ich hoffe Ihr Interesse geweckt zu haben und würde mich über eine baldige Antwort sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen,
Larry
Die Antwort von Herrn Redlich folgte schon wenige Stunden später:
Hallo Larry!
Erstmal Glückwunsch zu Ihrer Erkenntnis, auch wenn Sie dafür fünf Jahre Ihres Lebens geopfert haben.
Ihrem Lebenslauf entnehme ich, dass Sie noch keinerlei Redaktionserfahrung haben, was Sie für ein so langes Praktikum nicht gerade qualifiziert. Gibt es außer Ihrer Erkenntnis weitere Gründe, warum Sie der ideale Praktikant sind, die Sie aber vergessen haben zu erwähnen?
Grüße,
Redlich
Vollkommen überrascht, überhaupt eine Antwort erhalten zu haben, schrieb Larry daraufhin eine weitere E-Mail:
Hallo Herr Redlich,
selbstverständlich gibt es noch weitere Gründe. Sogar eine ganze Menge. Ich kann Englisch, Französisch und sogar ein wenig Spanisch. Die Sprachen spreche ich übrigens auch. Das fehlen einschlägiger Praktika würde mich an Ihrer Stelle nicht weiter stören. Denn das qualifiziert mich als unverbrauchtes und rotzfreches Talent mit einer heißen Schreibe. Ausserdem hat mangelnde Erfahrung uns Männer doch noch nie von bevorstehenden Abenteuern abgehalten, oder?!
Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen konnten, habe ich mich einige Semester als Tutor und Fachschaftsmitglied engagiert. Durch diese Tätigkeiten und während des Workcamps in Togo, welches nicht frei von erheblichen Schwierigkeiten abgelaufen ist, konnte ich meine Fähigkeit im Team Problemstellungen erfolgreich zu meistern nachhaltig verbessern. Besonders während meiner Tätigkeit als Tutor war ich gezwungen den oftmals drögen politikwissenschaftlichen Stoff meinen Studenten sexy und doch ohne Simplifikation des Inhalts nahe zu bringen. Ich beherrsche nahzu jeden Modus Operandi der deutschen Sprache. Ich vermag mit Worten die Sinne zu berauschen wie ein großer Dichterfürst. Aber auch ein prolliger Sprachumgang ist mir nicht fremd. Wenn es gewünscht wird, wichs ich einfach etwas Heißes aufs Papier.
Wenn ich im Februar 2006 mein Examen in Händen halte, werde ich innerhalb der Regelstudienzeit mein Studium erfolgreich beendet haben. Ich bin dann 26 und gemessen am Durchschnitt der deutschen Hochschulabsolventen verdammt schnell und jung. Schnell und jung, das ist nicht nur für mich gleichbedeutend mit XXX. Allein schon ihre schnelle und unbürokratische Antwort auf meine vorangegangene Email ist für mich der Beleg, dass XXX der heißeste Baum im Blätterwald ist. Wo sonst reagiert man so humorvoll auf solch Bewerbungen wie die meine? Bei der Süddeutschen Zeitung und Die Zeit jedenfalls nicht. Aber da will ich auch nicht hin. Ich will zu XXX und gleich bei Ihnen mein Können unter Beweis stellen. Ich hoffe Sie geben mir eine Chance.
Gérard Depardieu entdeckte Patrica Kaas, Martin Scorcese entdeckte Robert DeNiro, Brian Epstein machte die Beatles groß und auch Sie haben die Möglichkeit sich in die Liste der großen Entdecker und Mäzene einzureihen. Lassen Sie mich bei Ihnen bitte ein mehrmonatiges Praktikum machen. Sie werden es sicherlich nicht bereuen. Falls Sie noch immer nicht überzeugt sind, hätte ich da noch einen Vorschlag. Sie geben mir ein Thema, welches ich innerhalb eines von Ihnen gesetzten Zeitrahmens (selbstverständlich unbezahlt) bearbeiten muss. So haben Sie die Möglichkeit von mir eine Arbeitsprobe zu erhalten und ich besitze die Chance Sie von meinen Fähigkeiten zu überzeugen. Wenn Ihnen das Ergebnis gefällt, kriege ich das Praktikum. Was meinen Sie? Das ist doch ein Deal?!
Daraufhin erhielt Larry eine spontane Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Die er zwar annahm, der er aber nicht Folge leisten konnte. Egal. Darum geht es an dieser Stelle auch gar nicht. Dieser Briefwechsel soll lediglich zeigen, dass man durch unkonventionelle Bewerbungen durchaus Aufmerksamkeit erregen kann. Allerdings hat so eine Vorgehensweise bei konservativen Arbeitgebern eher geringere Aussichten auf Erfolg. Damit eine Bewerbung egal in welcher Branche Aussicht auf Erfolg hat sind - neben den generellen Qualifikationen - eigentlich nur ein paar grundlegende Regeln einzuhalten:
1. Kenne Deinen potenziellen Arbeitgeber.
Informiere Dich über Philosophie, Sprachgebrauch und ggf. politische Grundeinstellung des Unternehmens (konservativ vs. progressiv).
2. Sei selbstbewusst.
Zeige Deine Stärken auf und stehe zu Deinen Schwächen. Gerade als Jobanfänger sollte man nämlich nicht so tun, als sei man schon eine “fertige” Arbeitskraft. Das glaubt nämlich niemand. Um ein optimales Bild von sich zu vermitteln, sollte man seine Stärken knackig auflisten und die Schwächen zwar aufzeigen, aber euphemistisch formulieren. Ganz nach dem Motto: “für mich gibt es keine Schwierigkeiten, sondern nur Chancen.”
3. Schlüsselwörter und -formulierungen verwenden.
Beispiele: erarbeitete ich im Team …, auch in Drucksituationen erfolgreich …, arbeite gerne eigenverantwortlich …, usw.
4. Kreativität vs. Seriosität
In manchen Branchen werden auch “ausgeflippte” Bewerbungen gerne gelesen. Aber Vorsicht, die Grenzen zwischen flapsig und witzig sind fließend. Wie Ihr Euch am effektivsten bewerbt, entnehmt Ihr der jeweiligen Firmenphilosophie (siehe 1.).
Wenn man diese Regeln beachtet und die nötigen Qualifikationen mitbringt, braucht man eigentlich nur noch ein wenig Glück. Irgendwann kriegt jeder seine Chance. Auch ich habe es geschafft einen Job zu kriegen und ich bin jetzt wirklich kein Überflieger. Lasst Euch darum nicht von etwaigen Absagen entmutigen. Always look on the bright side of life.
Apropos Absage, Vor einiger Zeit habe ich mich einmal saufrech bei einer Kölner Agentur beworben. Doch diese Narren haben sich bis heute nicht bei mir gemeldet. Sauerei!Das nächste Mal gibt es Hirschragout - vielleicht beißen sie dann an.
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