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Bewerbungslust und Frust

Dezember 11, 2007 · 1 Comment

Irgendwann kommt jeder einmal in den “Genuss”, eine oder vermutlich eher mehrere Bewerbungen zu schreiben. Die Anforderungen auf interessante Stellen beinhalten meist ein abgeschlossenes Hochschulstudium, Auslandsaufenthalte, außerstudentisches soziales Engagement, mehrere Jahre Arbeitserfahrung und natürlich ein Höchstalter von 23 Jahren. Zum Glück gibt es aber Alternativen zur Beschäftigung bei McKinsey, Auswärtiges Amt oder bei der EU (sorry, die EU nehme ich wieder aus der Liste: die nehmen wirklich jeden :) ), z. B. die Erotik- und Werbebranche und zwar genau in dieser Reihenfolge. Hier wird Leidenschaft nämlich noch wirklich geschätzt.

Ein guter Bekannter, nennen wir ihn Larry, bewarb sich kurz vor Ende seines Studiums bei einem bekannten Herrenmagazin in München. Frei nach dem Motto “ich war jung und brauchte das Geld” verfasste er eine ziemlich unorthodoxe E-Mail und schickte sie an den Chefredakteur des Hochglanzmagazins. Wider Erwarten entwickelte sich ein witziger Briefwechsel [alle Namen wurden geändert, Rechtschreibfehler jedoch beibehalten, um die Authenzität zu wahren]:

Sehr geehrter Herr Redlich,

mein Name ist Larry und ich studiere Politikwissenschaft, Soziologie und Kunstgeschichte mit dem Abschlussziel Magister Artium an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Im Februar 2006 werde ich voraussichtlich mein Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Während meines Studiums habe ich mich intensiv mit den Herausforderungen der internationalen Beziehungen befasst. Besonderes Interesse entwickelte ich dabei für sicherheitspolitische Fragen. Meine Magisterarbeit schrieb ich darum über die Problematik der Nichtexistenz einer international akzeptierten Definition von Terrorismus.

Dabei wurde mir bewusst, dass die Lösung für alle sicherheitspolitischen Fragen Sex ist. Nicht umsonst proklamierten die großen Sexprophten, auch Hippis genannt, zu Zeiten des Vietnamkrieges “make love not war”! Besonders erfreulich für den Weltfrieden ist darum die Existenz von XXX. Andere Magazine sind schamhaft bemüht den prickelnden Inhalt ihrer eigenen Artikel duch die Verwendung medizinischer Fachausdrücke wie “Penis” zu kaschieren. XXX ist da vollkommen anders. Hier schämt man sich nicht für das, was der Mensch ist: das geilste Wesen auf dem Erdball. Gerteu dem Motto “hier bin ich Schwanz, hier darf ich es sein”, werden hier die Dinge beim Namen genannt. Denn wir alle wissen, dass Männer so sind, wie sie sind.

Dieser Ansatz gefällt mir sehr und ich würde mich darum freuen, wenn ich die Möglichkeit erhielte, für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten ein Teil des XXX-Redaktionsteams werden zu dürfen. Von einem Praktikum bei Ihnen im Redaktionsbereich verspreche ich mir einen detaillierten Einblick in den Entstehungsprozess eines Herren- und Lifestylemagazins ihrer Gewichtsklasse. Frühestmöglicher Beginn des Praktikums wär der 1. März 2006, da ich bis einschließlich Februar noch mit meinem Studium beschäftigt sein werde. Ich hoffe Ihr Interesse geweckt zu haben und würde mich über eine baldige Antwort sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen,

Larry

Die Antwort von Herrn Redlich folgte schon wenige Stunden später:

Hallo Larry!

Erstmal Glückwunsch zu Ihrer Erkenntnis, auch wenn Sie dafür fünf Jahre Ihres Lebens geopfert haben.

Ihrem Lebenslauf entnehme ich, dass Sie noch keinerlei Redaktionserfahrung haben, was Sie für ein so langes Praktikum nicht gerade qualifiziert. Gibt es außer Ihrer Erkenntnis weitere Gründe, warum Sie der ideale Praktikant sind, die Sie aber vergessen haben zu erwähnen?

Grüße,

Redlich

Vollkommen überrascht, überhaupt eine Antwort erhalten zu haben, schrieb Larry daraufhin eine weitere E-Mail:

Hallo Herr Redlich,

selbstverständlich gibt es noch weitere Gründe. Sogar eine ganze Menge. Ich kann Englisch, Französisch und sogar ein wenig Spanisch. Die Sprachen spreche ich übrigens auch. Das fehlen einschlägiger Praktika würde mich an Ihrer Stelle nicht weiter stören. Denn das qualifiziert mich als unverbrauchtes und rotzfreches Talent mit einer heißen Schreibe. Ausserdem hat mangelnde Erfahrung uns Männer doch noch nie von bevorstehenden Abenteuern abgehalten, oder?!

Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen konnten, habe ich mich einige Semester als Tutor und Fachschaftsmitglied engagiert. Durch diese Tätigkeiten und während des Workcamps in Togo, welches nicht frei von erheblichen Schwierigkeiten abgelaufen ist, konnte ich meine Fähigkeit im Team Problemstellungen erfolgreich zu meistern nachhaltig verbessern. Besonders während meiner Tätigkeit als Tutor war ich gezwungen den oftmals drögen politikwissenschaftlichen Stoff meinen Studenten sexy und doch ohne Simplifikation des Inhalts nahe zu bringen. Ich beherrsche nahzu jeden Modus Operandi der deutschen Sprache. Ich vermag mit Worten die Sinne zu berauschen wie ein großer Dichterfürst. Aber auch ein prolliger Sprachumgang ist mir nicht fremd. Wenn es gewünscht wird, wichs ich einfach etwas Heißes aufs Papier.

Wenn ich im Februar 2006 mein Examen in Händen halte, werde ich innerhalb der Regelstudienzeit mein Studium erfolgreich beendet haben. Ich bin dann 26 und gemessen am Durchschnitt der deutschen Hochschulabsolventen verdammt schnell und jung. Schnell und jung, das ist nicht nur für mich gleichbedeutend mit XXX. Allein schon ihre schnelle und unbürokratische Antwort auf meine vorangegangene Email ist für mich der Beleg, dass XXX der heißeste Baum im Blätterwald ist. Wo sonst reagiert man so humorvoll auf solch Bewerbungen wie die meine? Bei der Süddeutschen Zeitung und Die Zeit jedenfalls nicht. Aber da will ich auch nicht hin. Ich will zu XXX und gleich bei Ihnen mein Können unter Beweis stellen. Ich hoffe Sie geben mir eine Chance.

Gérard Depardieu entdeckte Patrica Kaas, Martin Scorcese entdeckte Robert DeNiro, Brian Epstein machte die Beatles groß und auch Sie haben die Möglichkeit sich in die Liste der großen Entdecker und Mäzene einzureihen. Lassen Sie mich bei Ihnen bitte ein mehrmonatiges Praktikum machen. Sie werden es sicherlich nicht bereuen. Falls Sie noch immer nicht überzeugt sind, hätte ich da noch einen Vorschlag. Sie geben mir ein Thema, welches ich innerhalb eines von Ihnen gesetzten Zeitrahmens (selbstverständlich unbezahlt) bearbeiten muss. So haben Sie die Möglichkeit von mir eine Arbeitsprobe zu erhalten und ich besitze die Chance Sie von meinen Fähigkeiten zu überzeugen. Wenn Ihnen das Ergebnis gefällt, kriege ich das Praktikum. Was meinen Sie? Das ist doch ein Deal?!

Daraufhin erhielt Larry eine spontane Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Die er zwar annahm, der er aber nicht Folge leisten konnte. Egal. Darum geht es an dieser Stelle auch gar nicht. Dieser Briefwechsel soll lediglich zeigen, dass man durch unkonventionelle Bewerbungen durchaus Aufmerksamkeit erregen kann. Allerdings hat so eine Vorgehensweise bei konservativen Arbeitgebern eher geringere Aussichten auf Erfolg. Damit eine Bewerbung egal in welcher Branche Aussicht auf Erfolg hat sind - neben den generellen Qualifikationen - eigentlich nur ein paar grundlegende Regeln einzuhalten:

1. Kenne Deinen potenziellen Arbeitgeber.
Informiere Dich über Philosophie, Sprachgebrauch und ggf. politische Grundeinstellung des Unternehmens (konservativ vs. progressiv).

2. Sei selbstbewusst.
Zeige Deine Stärken auf und stehe zu Deinen Schwächen. Gerade als Jobanfänger sollte man nämlich nicht so tun, als sei man schon eine “fertige” Arbeitskraft. Das glaubt nämlich niemand. Um ein optimales Bild von sich zu vermitteln, sollte man seine Stärken knackig auflisten und die Schwächen zwar aufzeigen, aber euphemistisch formulieren. Ganz nach dem Motto: “für mich gibt es keine Schwierigkeiten, sondern nur Chancen.”

3. Schlüsselwörter und -formulierungen verwenden.
Beispiele: erarbeitete ich im Team …, auch in Drucksituationen erfolgreich …, arbeite gerne eigenverantwortlich …, usw.

4. Kreativität vs. Seriosität
In manchen Branchen werden auch “ausgeflippte” Bewerbungen gerne gelesen. Aber Vorsicht, die Grenzen zwischen flapsig und witzig sind fließend. Wie Ihr Euch am effektivsten bewerbt, entnehmt Ihr der jeweiligen Firmenphilosophie (siehe 1.).

Wenn man diese Regeln beachtet und die nötigen Qualifikationen mitbringt, braucht man eigentlich nur noch ein wenig Glück. Irgendwann kriegt jeder seine Chance. Auch ich habe es geschafft einen Job zu kriegen und ich bin jetzt wirklich kein Überflieger. Lasst Euch darum nicht von etwaigen Absagen entmutigen. Always look on the bright side of life.

Apropos Absage, Vor einiger Zeit habe ich mich einmal saufrech bei einer Kölner Agentur beworben. Doch diese Narren haben sich bis heute nicht bei mir gemeldet. Sauerei!Das nächste Mal gibt es Hirschragout - vielleicht beißen sie dann an. ;)

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Der innere Kinski spricht

Dezember 4, 2007 · 1 Comment

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Dummheit stirbt nie aus. Man braucht nur einmal sämtliche Bekannten durch einen Idiotenfilter zu jagen und man wird überrascht sein, wie wenige diesen Test überstehen. Zumindest besteht hinterher aber die Gewissheit, dass man tatsächlich von einer nicht gerade kleinen Bande von Idioten umgeben ist. Alle denken nur an die verdammte Harmonie und sind süchtig nach dem puderzuckrigen Gefühl des “Wir-ham-uns-alle-lieb.” Wie kleingeistig! So bewegt sich doch nie etwas. Harmonie bedeutet Stillstand und Stillstand kann sich doch nun wirklich nur derjenige wünschen, der entweder vollkommen ahnungslos oder aber bösartig ist. Mit anderen Worten: ein Dämlack. Besonders zur Weißglut treibt’s einen, wenn sich das friedensbedürftige Geschmeiß auch noch mit Händen und Füßen gegen die Schaffung eines Problembewusstseins wehrt. Sie wollen überhaupt nicht einsehen, dass sie mit dieser Haltung vor allem sich selbst schaden! Denn irgendwann ist der Missstand so groß, dass er sich nur noch sehr schwer beseitigen lässt. Dann werden Fragen aufkommen wie “warum hat denn damals niemand …?” oder “wie konnte das nur passieren?”. Tja, eben genau darum, ihr zellkernlosen Pantoffeltierchen! Feigheit vor dem Konflikt ist ein Verbrechen gegen sich selbst und wird immer bestraft werden, denn Passivität hat noch nie Probleme gelöst.

Damit Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt und behoben werden können, ist eine kritische und offene Streitkultur unverzichtbar. Schließlich kann erst durch den ständigen Abgleich von Fremd- und Selbstwahrnehmung ein präzises Bild der Realität gezeichnet werden. Dabei muss man auch einstecken können. Vor allem aber muss verinnerlicht sein, dass Kritik kein Nullsummenspiel ist, d. h. Fehler einzugestehen darf nicht zwingend damit verbunden sein, den Gegenpart aufzufordern “Schuld” einzusehen und sich vom vermeintlichen Fehlverhalten zu distanzieren. Quid pro quo ist ein absolutes Unding. Was wahr ist, ist wahr und damit basta. Wer damit ein Problem hat soll auch weiterhin im Lilalaune-Land leben.

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¡Viva la Revolución!

Oktober 20, 2007 · 4 Comments

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Liebe GenossInnen,

spürt Ihr nicht auch ein inneres Unbehagen, ja sogar Wut, über die wachsenden Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft?! In der Zeit von Hartz IV jammern von Gesellschaft Vergessene lieber vor sich hin und fügen sich ihrem Schicksal als sich gegen die Ungerechtigkeiten aufzulehnen. Denn es ist ja so viel einfacher und bequemer, Sozialhilfe zu empfangen und nichts zu tun, als sich aktiv gegen das System zu stellen. Die Sozialhilfe hemmt den Willen des Einzelnen sich politisch zu beteiligen. Denn schließlich will man ja die Kuh nicht schlachten, die man melkt. Darum, liebe Genossen und Genossinnen, lasst uns gemeinsam dafür eintreten, dass die Sozialhilfe ganz gestrichen wird. Denn wer hungert wird aggressiv und wer aggressiv wird, wird zu einer politischen Kraft, die niemand ignorieren kann - schon gar nicht wenn diese politische Kraft wie im Falle Deutschlands aus mehr als 3,5 Millionen Menschen besteht! Als zweites ist dieses dämliche RTL2-Unterschichtenfernsehen zu eliminieren. Allein schon die Etablierung solcher katastrophaler Shows wie “Big Brother” ist ein Zeichen dafür, wie schnell 2007 zu 1984 werden kann, solange es nur “unterhält”. Diese Volksverdummung muss aufhören! Sobald Sozialhilfe und Unterschichtenfernsehen - die moderne Form von “Brot und Spiele” - nicht mehr sind, werden die unteren Klassen endlich wieder ein echtes, politikinteressiertes Klassenbewusstsein entwickeln und sich auflehnen.

Vielleicht mag diese Auffassung nicht von allen Genossen und Genossinnen geteilt oder gar als unsozial abgestempelt werden, aber die Geschichte hat gezeigt, dass Diktaturen - egal ob “links” oder “rechts” - immer bemüht waren einen “sozialen” Ausgleich zu schaffen, um die Massen zu beruhigen und unmündig zu machen. Wenn uns wirklich etwas an einer sozialen Demokratie liegt, dann müssen wir die Sozialhilfe abschaffen. Das klingt jetzt komisch, ist aber so. Nur dann kann es heißen: ¡viva la revolución!

Hier noch ein wenig Stoff zur Heranbildung eines Klassenbewusstseins:

>> Marxists Internet Archive

>> carlos-marighela.pdf

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Die Männer, die Gott verklagten.

September 23, 2007 · 1 Comment

“Da die Zerstörung Ihres Fischerbootes auf >höhere Gewalt< zurückzuführen ist, kann unsere Versicherung leider nicht für den entstandenen Schaden aufkommen”, so lautet sinngemäß die Anwort einer Versichungsgesellschaft auf das Gesuch des Ex-Anwalts und Fischers Steve Myers, gespielt von Billy Conolly. Daraufhin verklagt der streitbare Myers die weltliche Vertretung der “höheren Gewalt” auf Erden: die Kirche. Es folgt ein irrwitziger Prozess, an dessen Ende ein etwas kitschiges Ende steht. Dennoch ist “Der Mann, der Gott verklagte” allein schon wegen Billy Conolly wirklich sehenswert. Wer also Augen hat zum Sehen, der sehe sich diesen Film an. Wem dieser Streifen jedoch zu hanebüchen erscheint und seine Zeit nicht mit diesem fiktionalen Firlefanz vergeuden möchte, kann alternativ einfach einen Blick in die Tagespresse werfen.

Denn jüngst wurde tatsächlich in den USA nicht nur die Kirche, sondern gleich Gott verklagt. Bei dem Kläger handelt es sich debei um keinen geringeren als den Senator Ernie Chambers vom Parlament in Nebraska:

Er beschuldigt Gott, für terroristische Drohungen verantwortlich zu sein, Angst zu schüren und “unter Abermillionen von Erdbewohnern Tod, Zerstörung und Terror” verbreitet zu haben. Gott habe Wirbelstürme, Überschwemmungen und Tornados verursacht, erklärte der bekennende Agnostiker. Als Ziel der Klage gab Chambers eine Einstweilige Verfügung gegen Gott an. (Quelle: Spiegel Online, Stand 23. September)

Mittlerweile hat “Gott” mit einem Brief auf die Anschuldigungen geantwortet. Das Urteil des “hohen Gerichts” von Nebraska steht noch aus - aber eines ist jetzt schon klar: der Irrwitz der Realität schlägt den fiktionalen um Längen. Auch wenn Billy Conolly einfach göttlich ist.

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Poll: The men who sued god - who’s your favourite?

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Gesichtskontrolle

Juli 16, 2007 · 5 Comments

Fast hätten sie mich geschnappt. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Am Abend zuvor hatte ich noch ein kleines Saufgelage mit kosmopolit in Brüssel. Es war zwar sehr böse, doch eigentlich stecke ich das doch ganz gut weg - zumindest dachte ich das bis zu meiner Ankunft in Aachen am Morgen nach durchzechter Nacht in belle Belgique. Ich torkelte aus dem Zug, wankte zum Zugfahrplan, warf einen kurzen Blick auf die beiden Bundespolizisten und suchte dann nach meinem Anschlusszug. Es dauerte keine zwei Sekunden, da baten mich die beiden Cops in höflichem Ton um meinen Perso. Als ganz braver Bundesbürger kam ich dieser Bitte gerne nach. Irgendwie schienen die zwei jemanden zu suchen. Sie gaben meine Personalien an die Zentrale durch. Meine Hände begannen zu schwitzen. Vielleicht sah ich ja dem Gesuchten ähnlich. “Können wir einmal bitte Ihren Fahrschein sehen?”, fragte die Polizistin. “War es schön in Brüssel?” “Ja, sehr schön”, antwortete ich. “Suchen Sie eigentlich was Bestimmtes?”, fragte ich. “Nein, nur so. Reine Routine.” Jetzt schaltete sich auch ihr Partner freundlich ein: “Haben Sie irgendetwas dabei - außer schmutziger Wäsche - was mir Sorgen machen müsste?” “Nein, weder Messer noch sonst was. Wollen Sie in meinen Rucksack schauen?” “Ja, gerne.” Ich öffnete den Rucksack und zeigte mit einer Handbewegung, dass Sie sich nun an die Durchsuchung machen könnten. Irgendwie freute ich mich schon ein wenig darauf. Denn es wäre ein sehr skurriler Anblick gewesen, wenn die beiden sich in aller Öffentlichkeit eifrig und konzentriert durch meine Unterhosen und verschwitzten T-Shirts gewühlt hätten. Dies war wohl auch den beiden Ordnungshütern klar. Denn sie beließen es bei einer wiederholten Nachfrage und wiesen mir dann auch noch den Weg zu meinen Zug. Dieses Erlebnis zeigte mir jedoch, dass ein verschlafenes und verkorkstes Äußers schon ausreichen kann, um ins Visier der Staatsgewalt zu geraten. Allen, die in eine solche Situation geraten könnten, rate ich darum als Sicherheitsmaßnahme vor unliebsamen Durchsuchungen immer für ausreichend schmutzige Wäsche zu sorgen. Bei mir hat es zumindest funktioniert und meine 50 Stingerraketen blieben auf diese Weise unentdeckt. ;)

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Maxwell’s Silver Hammer: was ist eigentlich Kindheit?

Mai 19, 2007 · No Comments

Mein allererster Blogeintrag war die Integration eines Youtube Videos. Es handelte sich dabei um einen Cartoon-Videoclip zu “Maxwell’s Silver Hammer” von den Beatles. Da es ziemlich blutig in diesem Filmchen hergeht, möchte ich, bevor einmal mehr die unsägliche Diskussion über die Verrohung der Jugend aufkeimt, ein “kleines” Statement zur Kindheits-Thematik abgeben. Ich stütze mich dabei auf zwei soziologische Texte:

[1] CLOER, Ernst: Kinder der Freiheit oder Krisenkinder - eine falsche Alternative? Erschienen in: Bullerjahn, Claudia u. a. (Hrsg.): Kinder-Kultur, ästhetische Erfahrungen, ästhetische Bedürfnisse. Reihe Kindheitsforschung. Band 11. Leske und Budrich. Opladen, 1999.

[2] JOSTOCK, Simone: Sozialwissenschaftliche Problemeinführung: Zur Gegenwartsdiagnose von Ulrich Beck. Erschienen in: Jostock, Simone: Kindheit in der Moderne und Postmoderne. Eine bildungstheoretische und sozialwissenschaftliche Untersuchung. Leske und Buderich. Opladen, 1999

1. Zusammenfassung der Texte

Zusammenfassung des Textes von Ernst Cloer

„Kinder der Freiheit” oder „Krisenkinder” - eine falsche Alternative?

In den Vorbemerkungen seines Aufsatzes zeigt Cloer die Problematik der Kindheits-Forschung auf. In der Regel seien Beschreibungen und Rekonstruktionen von Kindheit Beschreibungen durch Erwachsene. Laut Cloer sind diese erklärenden Rekonstruktionen immer zugleich Deutungen. Diese unterlägen, wie die Realgeschichte von Kindheit auch, einem ständigen Wandel. Außerdem würden die existierenden Deutungsmuster die Realgeschichte des Kindseins beeinflussen.

Der Aufsatz ist in vier Kapitel gegliedert. Im ersten Kapitel befasst sich Cloer mit der pädagogischen Ideengeschichte. Er nennt die Auffassungen über Kindheit und Kindeserziehung von August H. Francke, Ellen Key, Jean-Jacques Rousseau, Philippe Ariès, Lloyd deMause und Neil Postman. Cloer erwähnt bereits in den Vorbemerkungen zu seinem Aufsatz, dass die einzelnen Ansätze meist zu einer „problematischen Komplexitätsreduktion” tendieren würden. Rousseau spricht er von einer solchen Komplexitätsreduktion frei. Dessen Prinzip der „negativen Erziehung” belege die Bedeutung der Bi-Subjektivität der „vermittelnden” und der „aneignenden Generation” und somit die interaktive Struktur des Bildungsprozesses. Anhand des in der Öffentlichkeit vorherrschenden Klischees des Wertezerfalls der Jugend wird im zweiten Kapitel versucht zu zeigen, dass auch in den Alltagstheorien die Tendenz zur Bildung einer eindeutigen, einfachen Antwort existiere. Alltagstheorien seien also auch von einer Komplexitätsreduktion betroffen.

Das dritte Kapitel nutzt Cloer zur Auflistung von zehn Thesen, die den gesellschaftlichen Wandel aufzeigen sollen. Die erste These besagt, dass neue Freiheits- und Entscheidungsräume auf Kosten von etablierten Sicherheiten gehen. In der zweiten These führt er die Gefahr der Flexibilisierung der Biografiemuster und Lebensformen an, so genannte „Bastel- und Drahtseilbiografien” würden dadurch ungewollt begünstigt werden. Die Auswirkungen der daraus resultierenden Unsicherheit nennt Cloer in der dritten These. Es werde nun mehr auf die Erfüllung der Wünsche und Hoffnungen der Gegenwart geachtet, als auf die Gestaltung einer sicheren Zukunft. In der These Nummer Vier wird gezeigt, dass das eigenständige Konsumieren diverser Produkte und Angebote nicht gleichbedeutend sei der mit ökonomischer Unabhängigkeit von der Familie. Im Gegenteil, „Konsum-Selbständigkeit” könne zu einer Verlängerung der Abhängigkeit der Familie führen. Durch eine zeitliche Erweiterung der Geborgenheit, so heißt es in der fünften These, verschiebe sich der Zeitpunkt der Erfahrung der Übernahme von (Eigen-)Verantwortung. Die sechste These befasst sich mit dem Wandel des Ausbildungssystems. Heute sei es fast nicht möglich Bezüge zwischen den schulischen Inhalten und dem Berufswunsch herzustellen, da im späteren Leben ohnehin noch einige Umstellungen zu erwarten seien. Dies wirke sich negativ auf die Lernmotivation aus. Die siebte These besagt, dass der Wandel der familialen Erziehungsverhältnisse zu einer Verschiebung der als wichtig angesehenen Erziehungsinhalte führe. Inhalte und Werte, die den Kindern nicht von den Eltern vermittelt werden, müssten später von den Heranwachsenden selber in Erfahrung gebracht werden. Kindzentrierte familiale Erziehungsverhältnisse würden eine hohe Anforderung an die kindliche und jugendliche autonome Ich-Leistung darstellen. These Acht weist auf den Umstand des jederzeit möglichen Zugangs zu nahezu alle Weltthemen hin. Es sei nun nicht mehr nötig sich den Zugang zu Geheimnissen zu erkämpfen, es bestehe jetzt eher die Notwendigkeit sich vor der Informationsflut zu schützen. Die eingeebneten Generationsdifferenzen würden durch neue generationsspezifische Kultur-differenz- und Fremdheitserfahrungen ersetzt werden, heißt es in der neunten These. Durch die Einebnung der Differenzen zwischen den Generationen würden neue Differenzerfahrungen, auch Fremdheitserfahrungen, an Bedeutung gewinnen. Der Generationenkonflikt sei wichtig für die Entwicklung des Individuums. Die zehnte und letzte These weist auf den Charakter von Selbstfindung hin. Selbstfindung könne als eine Chance, aber auch als Anstrengung und Dauerbelastung angesehen werden.

Das vierte Kapitel des Cloer-Aufsatzes handelt von den Lebensproblemen der Kinder und Jugendlichen. Wieder stellt Cloer zehn Thesen auf: These Eins weist darauf hin, dass die moderne Kleinfamilie ihre herausragende Stellung als primäre Sozialisationsinstanz verloren habe, gleichzeitig jedoch neue Aufgaben erhalten habe, wie z.B. die „Clearingstelle”-Funktion. Die zweite These greift die bereits im oberen Text erwähnte Ambivalenz der Kinderzentriertheit auf. Als dritte These werden die Reduktion von Geschwistererfahrungen und der damit verbundene erschwerten Aufbau sozialer Kontakte angeführt. In der vierten These heißt es Kinder seien Mitbetroffene der Krise der Arbeitsgesellschaft. Als fünften Punkt nennt Cloer die Erschwernis normalbio-graphischer Lebensentwürfe und berufsbezogener Bildungsentwürfe als mögliches Lebensproblem der Heranwachsenden. In der sechsten These werden der Anstieg der Trennungs- und Scheidungserfahrungen und die damit verbundene Verlustangst als ein für Kinder existierendes Problem genannt. Die siebte These nennt die Problematik des kontinuierlichen Anstiegs der Alleinerziehenden-Gemeinschaften. Hier bestehe für das Kind die Gefahr, durch ein „symbiotisches Beziehungsarrangement” die seelische Autonomie zu verlieren. In der achten These wird die Expansion autonomer medialer Versorgung der Kinder in den eigenen Kinderzimmern und Polarisierungstendenzen in den familialen Mediennutzungsgewohnheiten als mögliche Problemquelle erwähnt. Problematisch sei auch, heißt es in der neunten These, die Überforderung der Kinder durch die Komplexität der pluralen Gesellschaft und der damit verbundenen Häufung von Widerspruchserfahrungen. In der zehnten These wird die Ambivalenz der autonomen Selbstfindungsmöglichkeit aufgeführt. Sie könne entweder als eine Chance wahrgenommen werden, aber auch als negative Dauerbelastung.

In den Schlussbemerkungen seines Aufsatzes beantwortet Cloer die im Titel gestellte Frage „Kinder der Freiheit oder Krisenkinder - eine falsche Alternative?” eindeutig mit „ja”. Es sei durchaus so, dass viele Heranwachsende die existierenden Freiheiten begrüßten und nutzten, aber es gebe auch Andere, die die eröffneten Entscheidungsmöglichkeiten als sie überfordernde Orientierungsunsicherheiten und Entscheidungszwänge erlebten.

Zusammenfassung des Textes von Simone Jostock

Sozialwissenschaftliche Problemeinführung: Zur Gegenwartsdiagnose von Ulrich Beck.

In den Vorbemerkungen gibt Jostock das Ziel ihrer Arbeit und die Grundlagen hierfür an. Das Ziel sei einen Kindheitsbefund zu erstellen. Dabei diene der Autorin die Gegenwartsdiagnose der Risikogesellschaft von Ulrich Beck als Grundlage, da Becks soziologische Diagnose des Sozialen Wandels vielfach als eine angemessene Diagnose für die Bundesrepublik Deutschland angesehen werde. Die Arbeit von Jostock sei durch den zu erstellenden Kindheitsbefund ein Beitrag zur Überprüfung der Gültigkeit des Beck’schen Basistheorems der Individualisierung für die Kindheitsforschung. Das Individualisierungstheorem könne direkt auf Kindheit bezogen werden, weil die soziologische Perspektive Kinder und Kindheit als vollwertige Bestandteile der Gesellschaftsstruktur annehme.

Jostock untersucht Kindheit entlang der maßgeblichen drei Dimensionen des Individualisierungstheorems Becks. Auf der ersten Ebene (Ebene der Freisetzung) wird der Zusammenhang zwischen der Freisetzung bzw. Herauslösung von Kindheit aus traditionellen Familienformen und aus innerfamilialen Bindungen analysiert. Hier kommt Jostock zu dem Schluss, dass der von Beck prognostizierte Wandel familialer Lebensformen in der von ihm dargestellten Art nicht zutreffend sei. Sie stützt sich dabei auf eine Analyse des deutschen Jugendinstituts, die besagt, dass 85% aller minderjährigen Kinder in Deutschland in einem Kindschaftsverhältnis leben, das dem Normalitätsmuster entspreche. Es gebe zwar einen Anstieg von Alleinerziehenden-Familien, nichtehelichen Lebensgemeinschaften usw., aber in diesen Familienarten wüchsen kaum Kinder auf und falls doch, so würden diese Familienformen dem Normalitätsmuster angeglichen. Die Pluralisierungsthese bedeute in Bezug auf Kindheit nicht die allgemeine Auflösung der Familie als traditionelle Bindungskraft. Kindheit bleibe also wie bisher auch Familienkindheit.

Verändert habe sich allerdings die Bedeutung von Kindheit. Sie sei geprägt durch den Antagonismus zwischen Emotionalisierung und Rationalisierung. Diese beiden Faktoren würden in der Eltern-Kind-Beziehung gleichzeitig und in gesteigerter Form auftreten. Der Wandel hin zu einer emotionalisierten und rationalisierten Erziehung könne zu einem Widerspruch in der Selbstständigkeitsentwicklung des Kindes führen. Die Gleichgewichtung von Kindheit und Erwachsensein und das Verschwinden von Kindheit und der entwicklungspsychologischen Kindheitsphase seien weitere mögliche Folgen dieser Art von Erziehung. Insgesamt müsse von einer gesteigerten rationalisierten Kindheit gesprochen werden. Jostock stimmt den Thesen Becks und Beck-Gernsheims zum innerfamilialen Individualisierungsprozess zu. Die Individualisierung löse die Kindheit aus dem historischen Erziehungsverhältnis heraus und binde sie in ein neues Beziehungsgeflecht ein.

Auf der zweiten Ebene (Ebene des Stabilitätsverlustes) untersucht Jostock den, von Beck behauptete, Verlust traditioneller Handlungsgewissheiten, der zu individuellen Handlungen zwingen würde. Nach den Studienergebnissen von Büchner/Fuhs (1994), Zeiher/Zeiher (1994, 1989) und Corsaro (1994) wandle sich das Handeln der Kinder in immer früherem Alter und stärker als in vergangenen Generationen zu rationalisiertem Handeln. Für Kinder bedeute diese rationalisierte Kindheit innerhalb der Kinderkultur entscheiden, planen und auswählen zu müssen. Der Einfluss der elterlichen traditionellen Prämissen sei dabei nicht verschwunden, sei aber nicht mehr die ausschließliche Vorgabe für kindliches Handeln. Ein vollkommener Verlust von traditionellen Sicherheiten sei also, aus kindheitstheoretischer Sicht, noch nicht erkennbar. Eine Tendenz zu einem erhöhten Maß an individualisiertem Handeln zeichne sich jedoch für die spät- bzw. postmoderne Kindheit ab.

Auf der dritten Ebene schließlich (Ebene der Kontrolle) überprüft die Autorin, ob die Institutionalisierung als Voraussetzung einer Standardisierung das wichtigste Merkmal von postmoderner Kindheit ist. Jostock stimmt hier Beck zu, dass Kindheit bezogen auf die diese dritte Ebene verschiedenartigen Prinzipien der Standardisierung ausgesetzt sei. Von einer neuen Art der sozialen Einbindung, die keine Traditionen zur Grundlage hat, könne aber nicht gesprochen werden. Explizit weist Jostock darauf hin, dass die von Beck nachdrücklich hervorgehobene Gleichzeitigkeit von Herauslösungen und Standardisierungen für Kindheit zu relativieren sei. Erst wenn Institutionen das zentrale Charakteristikum für Kindheit seien, könnte man von einer reflexiv standardisierten Gegenbewegung zur Herauslösung sprechen. Diese könnte im Extremfall eine Entindividualisierung erzeugen. Abschließend nennt Jostock die Herauslösung aus traditionellen Bedeutungen, Vorstellungen usw., sowie aus dem traditionellen Erziehungsverhältnis, als den aus kindheitstheoretischer Perspektive entscheidenden Aspekt von Individualisierung.

2. Abschließende Analyse und Kritik

Beide Autoren befassen sich differenziert mit der Problematik des Wandels von Kindheit. Die Vorgehensweise dabei ist jedoch unterschiedlich. Während Cloer keine bestimmte Theorie als Gerüst für seine Arbeit verwendet, nutzt Jostock die Gegenwartsdiagnose von Ulrich Beck. Zwar zitiert auch Cloer, zumindest in der Überschrift, Beck und Preuss-Lausitz, eine direkte inhaltliche Auseinandersetzung mit deren Theorien führt er jedoch nicht durch. Stattdessen nennt er die Ansichten über Kindheit von August H. Francke, Ellen Key, Jean-Jacques Rousseau, Philippe Ariès, Lloyd deMause und Neil Postman. Besonders ausführlich schildert er die Theorien von Rousseau. Cloer nennt Rousseau den Referenztheoretiker, doch dies gilt nur in Bezug auf die Art und Weise, wie dieser eine Theorie frei von Komplexitätsreduktionen erstellt hat. Im weiteren Text nutzt Cloer Rousseaus Ansichten jedoch nicht mehr. Im Gegenteil, um der Gefahr zu entgehen, durch seine eigenen Grundbilder bei der Analyse des gesellschaftlichen und jugendkulturellen Wandels negativ beeinflusst zu werden, vermeidet es Cloer Eindeutigkeit zu erzielen. Das Vermeiden von Eindeutigkeiten ist die Stärke des Cloer’schen Aufsatzes. Grundsätzlich besteht durch diese Vorgehensweise aber die Gefahr, dass aufgrund der Angst vor einer möglichen Vereinfachung des Sachverhalts, keinerlei Ergebnisse präsentiert werden. Bei Cloer, und darum ist sein Aufsatz positiv zu bewerten, geschieht das jedoch nicht. Die von ihm im dritten Kapitel aufgestellten Thesen sind präzise ohne dabei die Ambivalenz des gesellschaftlichen Wandels außer Acht zu lassen.

Anders als Cloer baut Jostock ihre Arbeit entlang der drei Dimensionen des Individualisierungstheorems von Beck auf. Sie begründet diese Vorgehensweise folgendermaßen: „Das Individualisierungstheorem kann methodisch nur deshalb direkt auf Kindheit bezogen werden, weil die soziologische Perspektive Kinder und Kindheit als vollwertige Bestandteile der Gesellschaftsstruktur annimmt.” ([2]S. Jostock, 1999: S. 35). Jostock hat recht mit dieser Aussage. Kinder und die Kindheit sind keine Nebensächlichkeiten der Gesellschaft. Die in der Kindheit vermittelten Werte und Normen wirken sich auf das Handeln im Erwachsenenalter aus. Die Individualisierung beeinflusst zwar zuerst die Erwachsenenwelt, aber dadurch wirkt sie sich direkt auf die Kindeserziehung und somit auf spätere Gesellschaftssysteme aus. Im Gegensatz zu Cloer analysiert Jostock also ganz bewusst mit einer bereits bekannten und als zutreffend angesehenen Theorie ((vgl. [ 2 ] S. Jostock, 1999: S. 34)) den Wandel von Kindheit. In ihren erarbeiteten Ergebnissen widerspricht sie teilweise den Annahmen Becks und begründet ihre Urteile durch Statistiken und soziologische Untersuchungen. So zeigt Jostock, dass sie sich von Becks Individualisierungsmodell nicht verleiten, sondern nur leiten ließ.

Obwohl Cloer und Jostock jeweils einen anderen Ansatz für ihre Analysen von Kindheit gewählt haben, haben beide die Existenz einer Individualisierung von Kindheit erkannt. Beide Autoren weisen auf die veränderte Bedeutung der Familie bei der Kindes-Erziehung und die voranschreitende Einebnung der Generationsdifferenz zwischen Erwachsenen und Kindern hin. Cloer bewertet, im Gegensatz zu Jostock, in seinen Schlussbemerkungen die Individualisierung als Chance aber auch als negativ empfundene Dauerbelastung für den Einzelnen und weist deutlich auf Problembereiche (vgl. [1] E. Cloer, 1999: S. 33ff). Jostock hingegen liefert einen fast „wertneutralen” Kindheitsbefund.

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