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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 10 und Ende)

Februar 2, 2009 · 3 Kommentare

Als ich zu mir komme, finde ich mich in einem düsteren Kerker wieder. An den Wänden tropft Wasser hinunter. Neben mir liegen Skelette. Ratten kriechen über ihre Knochen. Ich werfe einen Blick durch einen kleinen Spalt an der Zellentür. Zwei Wächter hat Greifenbach für mich abgestellt. Was für eine Ehre.

Ich muss meine Wächter überlisten! Aber wie?! Sie stammen nämlich vom Volk der Grottenmupfelmolche, die berüchtigsten Kerker- und Foltermeister dieses Teils der Milchstraße. Schluopp und Muff – so heißen meine beiden Bewacher – sind dabei zwei ganz besonders miese Exemplare. Sie sind wahre Meister, wenn es darum geht, mit normalen Alltagsgegenständen ihre armen Opfer vor Schmerzen in den Wahnsinn zu treiben. Sie kennen keine Gnade. Nein, sie haben sogar Freude an ihrem scheußlichen Werk. An ihre gute Seele oder ihr Gewissen zu appellieren macht also gar keinen Sinn. Denn sie haben Keines. Eine Schwäche haben sie dennoch: sie hassen es, wenn es ihrem Opfer schlecht geht bevor sie selbst Hand angelegt haben. Das schmälert nämlich den Ruhm in ihrer internen Foltermeisterschaft.

Schluopp und Muff haben in den letzten sieben Jahren bereits fünfmal die Teamwertung in der Disziplin „Messer und Gabel“ gewonnen. Dieses Jahr soll endlich auch der Titel der Königsklasse „Löffel und Schneebesen“ folgen. Die beiden behaarten Biester sind schon ganz aufgeregt. Alle paar Minuten gucken sie zu mir in die Zelle, um sich zu vergewissern, dass es mir auch wirklich gut geht.

„Irgendenwelche Wünsche?“, fauchen sie mit einer perfiden Freundlichkeit.

Ich ignoriere die Fragen und lasse meinen Blick durch mein Gefängnis nach etwas Brauchbarem schweifen. Das Guckloch der Tür schließt sich wieder. Jetzt ist meine Chance. Ich muss zu drastischen Mitteln greifen. Ich schließe die Augen, atme tief durch und beiße mir dann selbst die Zunge ab. Sofort sprudelt das Blut aus meinem Mund wie frisches Quellwasser. Das ich nicht vor Schmerzen ohnmächtig werde, liegt nur an meiner Vorfreude auf das was da gleich kommen wird: Und tatsächlich, schon wenige Sekunden später öffnet Muff wieder das Guckloch und schlägt sofort Alarm. „Er ist verletzt! Er ist verletzt!“, quieken die Grottenmupfelmolche panisch. Die Tür wird aufgerissen und meine beiden Peiniger in spe stürmen hinein um mich zu versorgen. Denn neben ihrer Tätigkeit als Folterer sind sie auch noch hervorragende Ärzte – wer sich gut mit der Anatomie des Lebens auskennt, kann es seinen Opfern eben auch leichter schwerer machen. Zynisch, aber wahr.

In ihrer Hast mir das Leben zu retten, verkennen die Beiden ein wenig die Gefahr, in der sie sich befinden. Als sie gerade ihre medizinischen Geräte auspacken, erwache ich aus meiner Scheinohnmacht und greife mir flink zwei Skalpelle. Entsetzt schreien Muff und Schluopp wie kleine Ferkel, die zur Schlachtbank geführt werden auf. Behende lasse ich die Klingen über ihre Kehlen tanzen. Mit wilden Zuckungen und schäumenden Gurgeln verlassen meine beiden Widersacher das Diesseits und betreten die andere Seite. Dort warten schon die Geister ihrer Opfer. Die Rache ist süß!

Als ich mein blutiges Werk vollbracht habe, mache ich mich auf den Weg nach oben. Ich dringe in den schwarzen Turm ein. Wo ist Funny? Ich laufe die Treppen immer weiter hinauf. Es ist wie der Traum, den ich vor kurzem hatte. Hinter mir höre ich Schreie, die auf keinen Fall menschlich sein können. Sie klingen wie Dämonen der Vergangenheit. Der Geruch von verbranntem Fleisch liegt in der Luft. Aber wo ist Funny?

Ich stürme durch die Gänge nach oben. Keine Wache hält mich auf. Alle, die sich mir in den Weg stellen, fallen wie die Fliegen. Ich kenne keine Gnade. Endlich bin ich wieder oben in dem verfluchten Hospital. Es ist also tatsächlich die Basis des Nazi-Vampir-Clans. Endlich erreiche ich den Festsaal. Alle sind versammelt, um die Erweckung der Báthory zu erleben. Da sehe ich, wie Igor Funny auf den Altar in der Mitte legt. Sie scheint nicht bei Bewusstsein zu sein. Vermutlich möchte Greifenbach sie als eine Art Gefäß für den Geist der Blutgräfin Báthory missbrauchen. Das muss ich verhindern. Schon stechen die kleinen Koreaner ihr Schläuche in den Arm.

Ich schleiche hinter den Wächtern vorbei und bahne mir meinen Weg Richtung Bühne. Fräulein Liebrecht beginnt mit der Beschwörungsformel. Alle lauschen andächtig. Nur ich nicht. Vorsichtig nähere ich mich von hinten einem unaufmerksamen Oger. Mit voller Wucht ramme ich ihm meine beiden Skalpelle in den Nacken und durchtrenne dabei sein Rückenmark. Mit einem leisen Jammer sinkt er unbemerkt von den anderen zu Boden. Ich hebe sein Schwert auf und springe mit wildem Kriegsgeschrei auf die Bühne. Liebrecht erstarrt und Greifenbach dreht sich verdutzt um. Als sich unsere Blicke kreuzen lasse ich meine Klinge quer durch sein Gesicht fahren und spalte seinen Schädel. Das Blut spritzt auf Liebrecht und ihr Beschwörungsbuch. Auch mit ihr mache ich kurzen Prozess. Die umstehenden Trolle, Oger und Vampiere sind fassungslos. Ich erwarte meinen Tod.

Doch anstatt  mich anzugreifen, ergreifen die dunklen Horden die Flucht. „Schlag der Schlange den Kopf ab und Rest stribt auch!“ Ich gehe zu Funny und streichele ihr über die Stirn. Sie öffent die Augen.
„Wo bin ich?“
„In Sicherheit! Ich habe Deine Botschaft verstanden.“
„Welche Botschaft?“
„Die Bananen, SBZ, Ostdeutschland.“
„Von was redest Du? Das waren meine Einkäufe. Ich hatte mich nur in unserem Schlafzimmer versteckt. Als …“
„Schon gut, Baby, schon gut. Schone Dich!“
Ich drücke sie an meine Brust. Ob Schicksal oder Zufall – das ist mir egal. Wir haben gesiegt, Greifenbach verloren. Das ist alles, was mich interessiert. Das ist alles, was zählt!


ENDE

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 9)

Februar 1, 2009 · 1 Kommentar

15 Minuten später bin ich bei meiner Wohung. Aber ich komme zu spät. Die Wohnung ist vollkommen verwüstet. Sie haben Funny geholt. Greifenbach und seine Schergen haben Funny in ihrer Gewalt! Aber wo brachteten sie sie hin? Ich überlege. Wo könnten Greifenbach und seine Nazi-Vampire ungestört die Erweckung der Blutgräfin durchführen? Auf der Suche nach Hinweisen durchstreife ich die Wohnung. Vielleicht hat Funny mir ja einen Hinweis hinterlassen. Da! Tatsächlich! Sie hat es: Auf unserem Bett hat sie einen Haufen Bananen gelegt. Das ist ein ganz klarer Hinweis auf die ehemalige SBZ, Dunkeldeutschland, der wilde Osten!
„Gut gemacht, Baby! Ich bin schon unterwegs!
Ich renne die Treppen hinunter und breche ein Auto auf. Nur keine Zeit verlieren. Ich rase los. Schnell und unaufhaltsam. Ohne Pause durch die Nacht. Damit mir die Augen nicht zufallen, hefte ich mir meine Lieder mit Sicherheitsnadeln an die Stirn. Seitdem mir eine Granate in der Fresse explodiert ist habe ich sowieso kein Gefühl mehr in meinem Gesicht. Meine Augäpfel fangen aufgrund mangelnder Tränenflüssigkeit einzutürben. Ich sehe nichts mehr. Blindflug total.

Plötzlich knallt mein Kopf heftig gegen die Scheibe. Ich überschlage mich. Ich rolle einen steilen Abhang hinab. Scheiben klirren. Metall zerbirst. Als das Wrack, das einmal ein Auto war endlich am Fuß des Berges zum Stehen kommt, krabbel ich heraus. Mein Körper ist übersäet von zahlreichen Schnittwunden und Prellungen. Ich tue, was ich sonst nie tun würde: ich rufe nach Hilfe. Minuten vergehen. Aus Minuten werden Stunden. Und endlich, als ich fast heißer bin kommt ein Laster vorbei. Der Fahrer stellt sich als Fritz vor. Er bietet mir an, mich in ein nahes Krankenhaus zu fahren.
„Vielen Dank, Mann! Das wäre wirklich nett.“
„Kein Problem, auf der Straße sind wir alle gleich.“
Verdammter Pseudophilosoph denke ich und steige ein.
„Du hast Glück, dass ich hier vorbeikomme“, erzählt Fritz, „normalerweise fahre ich die andere Route um den Berg herum. Die steile Straße ist nämlich eigentlich zu scary für so ‘n Brummi wie der hier.“ Er betätigt die Hupe seines Lasters. Wie ein alter Dinosaurier röhrt der Laster durch die Nacht.
Fritz ist ein kleiner untersetzter Mann. Auf seinem kahl rasierten Schädel trägt er eine verfilzte Pudelmütze aus Wolle. Der Mann müsste so um die 50 sein. Aber so genau lässt sich das bei der Dunkelheit nicht sagen. Obwohl es höchstens 5 Grad über Null ist, hat Fritz nur ein schlappriges Unterhemd an. Mit seinen behaarten Armen sieht er dabei aus wie ein Gorilla. Irgendwie ist mir der Mann sehr sympathisch. Ich beginne ihm zu vertrauen, was komisch ist, da ich Fremden sonst nie vertraue.

Nur wenige Minuten später haben wir das Krankenhaus erreicht. Fritz hilft mir aus dem Auto. Sofort kommen auch schon ein paar Schwestern und Pfleger angerannt.
„Seien Sie beruhigt. Wir werden uns um Sie kümmern“, sagt einer von Ihnen zu mir, „vielen Dank Fritze!“ Der Pfleger nickt meinem Retter verstohlen zu. Fritz erwidert diese Geste mit einem boshaften Kichern und steigt in seinen Laster.
„Verdammt, irgendetwas stimmt hier nicht!“, denke ich. Aber ich bin zu müde, um der Sache auf den Grund zu gehen. Vielleicht liegt es aus ja auch an meiner Übermüdung, dass ich schon überall Gespenster und Verschwörungen sehe. Ich setze mich in den Warteraum und tue das wofür er da ist: ich warte. Ich drehe Däumchen.
„Der Herr Doktor, wird sich sofort um Sie kümmern, mein Herr“, sagt einer der Schwestern. Dann verschwindet sie im Schwesternzimmer. Neben mir liegen ein paar Frauenzeitschriften. Normalerweise packe ich so etwas nicht einmal mit der Kneifzange an. Aber heute ist alles irgendwie anders. Ich fühle mich einsam und allein. Niemand da, der sich für meine Probleme und Gedanken interessiert. Keine Menschenseele auf den Gängen. Kein Patient. Kein … „Moment mal! Ist denn hier überhaupt wer?!“ Das helle grünliche Neonlicht blendet mich förmlich. Ich rufe laut: „Hey! Wo seid Ihr?“ Ich wusste doch, dass hier etwas nicht stimmt. Ich entschließe micht, das Hospital zu durchkämmen. Die weißen Wände und der mit gelben Kacheln gepflasterte Boden verleihen dem ganzen Haus etwas Unheimliches.

Ich betrete die Geriatrie. Keiner ist zu sehen. Ich betrete langsam das erste Zimmer. Quietschend öffne ich die Tür. Der Raum ist leer. Aber offenbar hat hier noch vor kurzem jemand gelegen. Ich korrigiere, hier lag hier „etwas“ – es riecht nach Verwesung. Im Papierkorb finde ich einen abgerissenen Finger. „Seltsam!“, ich verlasse das Zimmer. Aus einem der anderen Räume dringt ein dumpfes Ächzen zu mir hindurch. Ich folge dem gequälten Stöhnen. Es klingt irgendwie weinerlich. Wie der Wind der durch die hohlen Augenhöhlen eines menschlichen Schädels pfeift. Ich bin auf alles gefasst und zu allem bereit. Vorsichtig drücke ich die angelehnte Tür auf. Es knarzt.

In dem Raum stehen sechs Betten in zwei Reihen. Nur eines scheint belegt zu sein. Es ist das Vorletzte auf der rechten Seite. Das Licht beginnt zu flackern. Die Person auf dem Bett zittert und versucht den Kopf nach mir zu drehen. Das aschfahle Haar hängt in langen, dünnen, fettigen Strähnen von dem runzeligen Schädel. Es scheint ein alter Mensch zu sein. Ob es eine Frau oder ein Mann ist, vermag ich nicht zu sagen. Dazu muss ich näher hin.
„Geht es Ihnen gut?“, frage ich, „wo sind die anderen, oder sind sie die Einzige hier auf der Station?“, frage ich mit sanfter Stimme. Ich will die arme Kreatur ja nicht zu Tode ängstigen. „Komisch, sonst ist das doch egal.“
Dann geht das Licht aus. Ich höre einen Körper auf den Boden plumpsen. „Ahhhhhhrcchch“, dieses Stöhnen – irgendwie klang das überhaupt nicht menschlich.
„Haben Sie sich verletzt?“
Ich höre ein Kratzen auf dem Boden. So als würden Fingernägel brechen. Etwas kommt näher. Langsam gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit. Im bläulichen Mondlicht meine ich jemanden auf dem Fußboden liegen zu sehen. Ich gehe ein wenig tiefer, um mehr zu sehen. Nutzlos. Aber die Schlürfgeräusche kommen immer näher und näher. Ich spüre wie lange dürre Finger nach meinen Stiefeln greifen. In diesem Moment geht das Licht wieder an. Jetzt sehe ich, dass sich ein beinamputiertes Zombieviech an meinem Bein festklammert. Es versucht mich zu beißen. Geistesgegenwärtig greife ich zu meinem Messer und hacke dem Monster den Schädel ab. Auch jetzt noch versucht mich das Ding zu attackieren. Ohne Kopf ist das allerdings ein wenig schwierig. Lachend trete ich den zappelnden Rumpf aus dem Fenster.
„Was ist das nur für ein Krankenhaus?!“

Jetzt könnte ich meine Schrotflinte gut gebrauchen. Hier muss es doch irgendwo eine Knarre geben. In jeder Geriatrie gibt es mindestens eine großkalibrige Kanone – nur für alle Fälle. Aber diese Klinik scheint total anders zu sein. Ich dringe tiefer ein in dieses Hospital des Horrors. Was geht hier vor? Gesund gepflegt wird hier jedenfalls niemand. Mittlerweile bin ich bei den Operationsräumen angelangt. Da brennt Licht. Ich schleiche mich heran. Ich höre Stimmen.
„Ja Graf, wir haben alles so veranlasst, wie sie es angeordnet haben!“
„Ausgezeichnet, Fräulein Liebrecht. Und was ist mit dem Mädchen?“
„Ihr geht es gut – bis Ihr etwas anders befehlt Garf!“
„Gut! Veranlassen Sie alles Notwendige. Die Koreaner sollen sich bereit machen. In einer Stunde ist es soweit!“
Funny lebt! Doch bevor ich micht richtig darüber freuen kann, spüre ich einen dumpfen Schlag auf meinen Hinterkopf. Ich tauche ein ins Land der Nacht. Wo bin ich? Was wird sein? Funny ich liebe Dich!

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 8)

Februar 1, 2009 · 1 Kommentar

Greifenbach hat mich gefangen genommen. Zusammen mit seinem blutdürstenden Hofstaat schreitet er nach unten zum Tresor. Seine Häscher schleifen mich mit.
„Damit Du in den letzten Stunden Deines erbrämlichen Lebens, noch einen kleinen Abglanz meiner unglaublichen Macht zu sehen bekommst, habe ich Dir einen Platz in der ersten Reihe reserviert. HAHAHAR!“ Greifenbach liebt den Klang seiner eigenen Stimmt und lauscht ihr nur zu gerne.
„Schau genau hin,werter Freund: Mit einem schlichten Fingerschnipp werde ich nun die Tresortür aus den Angeln heben.“ Er schnippt und nur zwei Sekunden später höre ich ein dumpfes Stampfen aus dem Obergeschoss. Sie kommen näher, näher und näher. Ich blicke nach links die Stufen nach oben und dann sehe ich es: den wahrscheinlich gewaltigsten Kriegsoger jenseits der dunklen Flüsse. Seine Haut ist schuppig und auf den gigantischen Schultern sprießt schwarzes Fell – so schwarz und dunkel wie der Ausfluss einer fauligen Fleischwunde. Schnaufend und mit einem tiefen Grollen stellt sich das Viech vor die Tresortür. Mit seinen Klauen greift es in den glänzenden Stahl als wäre er aus Pudding. Dann reißt es mit einem Ruck die Tür aus den Anglen und stellt sie neben die Öffnung.
„Los meine Kleinen, auf auf, holt euch meine Beute!“ als er das sagt, klatscht er zweimal in die Hände und kurz darauf jagt der Nebel aus Vampierfledermäusen in den Tresor. Innerhalb von wenigen Sekunden räumen sie den gesamten Tresorinhalt aus. Sie nehmen alles mit – Ketten, Gold und natürlich Geld, jede Menge Geld.

Noch immer halten mich einige der kleinen Biester fest. Jetzt dreht sich Greifenbach zu mir. Er lächelt. „Nun, Freund, was soll ich mit Dir tun? Zuerst hatte ich mit dem Gedanken gespielt dich sofort von meinem Kriegstroll Igor auseinander zu reißen lassen. Aber das hätte vermulich eine ziemliche Sauerei gegeben, nicht wahr?! Außerdem hätte ich …“
„Komm zur Sache, Blutschürfer! Bring mich um oder saug mich aus – aber bitte erspare mir Deine endlosen Monologe!“
„Frechhhheit“ faucht Greifenbach, „na schön, Igor! Schmeiß ihn in den Tresor und stelle die Tür davor! Verrotten sollst Du darin, Du Hund. Aber eines wisse: Deine Funny – die ehemals so gefürchtet Lady Mercyless – werde ich mir holen und dann werde ich ihr weh tun und später werde ich sie vielleicht töten. Aber erst nachdem Igor seinen Spaß mit ihr hatte!“
„Greifenbach, ich werde hier rauskommen und mit Dir abrechnen!“
„HAHAHAHAHIHHIHIHIHHAR!“

Sein grausames Lachen ist das letzte, was ich höre, bevor Igor den Tresor wieder verschließt. Dunkelheit. Vollkommene Dunkelheit umgibt mich. Wird dies mein Verließ sein? Mein Grab? Nein. Nie. Niemals. Ich finde einen Weg hier raus. Ich habe mich schon aus schlimmeren Situationen befreit. Das Böse kann nicht immer gewinnen … Moment, ich erinnere mich. War ich es nicht, der vor langer Zeit den Alten, der sich Gott nannte ins Jenseits beförderte?! Naja, eigentlich war er schon im Jenseits und auch sonst überall. Jetzt ist er aber nicht mehr da. Meinetwegen. Verflucht – das bin ich! Niemand wird kommen und mich hier raus holen. Keiner wird Funny retten. Was habe ich getan? Das werde ich mir nie vergeben.
„Ich Dir schon!“
„Wer spricht da?“
„Ich!“
„Wer ist „ich“?“
„Na, jedenfalls nicht Du! Haha. Erinnerst Du dich noch an unsere letzte Begegnung?“
„Oh Gott, Du bist …“
„Genau! Aber das ist jetzt nicht wichtig. Du solltest hier raus und Deine Mission erfüllen.“
„Ja, aber wie?“
„Merke: Wo Schatten und Dunkelheit ist, muss auch Licht sein!“

Noch bevor ich fragen kann, wie er die Kugel überleben konnte, ist er verschwunden. Und ich bin wieder allein in meiner Zelle. Aber was ist das? Da scheint ein heller Strahl durch einen dünnen Schlitz an der Tür. Der Troll hat wohl vergessen, die Tür komplett zu schließen. Ich werfe einen Blick durch den Spalt und entdecke meine Werkzeugtasche. Sie liegt noch immer dort, wo ich sie vorher hingestellt hatte. Greifenbach hat sie da gelassen, weil er dachte, ich könnte sowieso nichts mehr damit anfangen. Das war sein Fehler und mein Glück! Ich ziehe mein zerfetztes Hemd aus und flechte die Stoffstreifen zu einem Strick. Fingerfertig werfe ich ihn durch den Spalt, treffe meine Werkzeugtasche und kann sie langsam zu mir her ziehen. Es gelingt mir, ein paar Dynamitstangen herauszufischen. Ich platziere sie an der Tresortür und zünde. Mit einem gewaltigen Knall öffne ich mein Verließ und springe hinaus in die Freiheit. Funny! Ich darf keine Zeit verlieren. Funny! Gleich bin ich da!

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 7)

Januar 30, 2009 · 1 Kommentar

Meine erste Nachtschicht beim Sicherheitsdienst der Global Bank. Heute werde ich es tun. Danach werden unsere Geldsorgen fürs erste gelöst sein. Funny und ich könnten uns endlich anderen Dingen zuwenden. Um Punkt Acht betrete ich Bank. Meine neuen Kollegen begrüßen mich herzlich. Sie können ihren Feierabend kaum erwarten. Sie zeigen mir die Umkleide und den Überwachungsraum und verabschieden sich sofort.

Als ich die Uniform anlege und mich im Spiegel betrachte fühle ich mich wie T. J. Hooker. „Aber auch Du wirst mich heute nicht verhaften!“ sage ich zu meinem Spiegelbild und lächle ein zynisches Lächeln. Zu schlau werde ich vorgehen, zu gerissen, man wird mich niemals fassen. Ich weiß zwar noch nicht wie ich den Haupttresor knacken soll, aber irgendwie werde ich es schon hinkriegen.

Um halb Zehn mache ich meinen ersten Rundgang durch die Bank. Meine Schuhe quietschen auf dem sündhaft teuren Mamorboden. „Dahin fließen also die Ersparnisse der Kunden“, denke ich und werfe einen Blick in die Schalterhalle. Keine Menschenseele ist zu sehen. Gut so! Denn niemand soll mich heute Nacht bei meinem Vorhaben stören. Mein nächster Gang führt mich in die Küche. Nur ein kleiner Schnaps für die Nerven. Ich brauche schließlich eine ruhige Hand und das Rauchen habe ich mir vor Jahren schon abgewöhnt. In einem der hinteren Küchenschränke werde ich schließlich fündig. Ich packe die Flasche ein, hole meine Werkzeugtasche aus dem Spint und gehe zum Haupttresor in den Keller.

Fast majestätisch steht er vor mir. Ein Kunstwerk der Sicherheitstechnik aus poliertem Stahl. Zwei Schlüssel braucht man, um das Ungetüm aufzubrechen. Doch ich habe keinen von beiden. Zuerst versuche ich es also mit meinen alten Ditrichen. Sie brechen alle ab. Wütend schmeiße ich das nutzlose Bündel in die Ecke. Verdammt! Vielleicht hätte ich doch mein Vorgehen genauer planen sollen. Jetzt kriege ich dieses Mistteil nicht auf! Ich krame in meiner Werkzeugtasche nach etwas Brauchbrem. Der Eisenhammer – zu stumpf, das Dynamit – zu laut, der Schweißbrenner – …

In diesem Moment höre ich ein Klirren auf dem Boden aus der oberen Etage. So als ob Glassplitter auf den Boden bröseln. Wer mag das sein? Ich schleiche langsam nach oben. Taschenlampe und Pistole im Anschlag. Da sehe ich einen großen Schatten ungefähr drei Meter vor mir vorbei huschen. Was war das?! Ich leuchte in die Richtung. Vor mir sitzt ein dunkles Stoffknäuel. Als ich näher komme, fängt es an zu fauchen.

„Ok, das war’s! Hände über den Kopf und langsam hervor treten!“
Das Ding reagiert nicht.
„Los jetzt! Beweg Dich!“
Ich mache einen Schritt auf die mysteriöse Gestalt zu. Ich kann seine spitzen, grauen Ohren erkennen. Sein kahler Schädel reflektiert das Licht der Taschenlampe und blendet mich ein wenig. Was für ein Ding mag das da nur sein?!
Bevor ich noch einen Schritt auf die Gestalt zugehen kann, höre ich ein hektisches Rascheln in der Luft. Es kommt näher. Rasch näher. Aus dem Rascheln wird Geflatter und nur wenige Sekunden später bin ich von einer Horde Fledermäuse umgeben. Mit ihren kleinen scharfen Klauen zerfetzen Sie meine Uniform innerhalb weniger Augenblicke. Dann krallen die Biester mir ins Fleisch und ziehen mich nach oben. Wie ein dicker schwarzer Nebel umschwirren mich diese Ausgeburten der Hölle. Die Schmerzen sind übermenschlich. Längst habe ich mein ursprüngliches Vorhaben vergessen und ein neues Ziel gewählt: Diese Blutsauger zu vernichten. Ja, richtig, es handelt sich um Vampire!
„Wen haben wir den da?“ fragt er dunkle Schatten mit den spitzen Ohren.
Der Fledermaus-Nebel löst sich auf. Jetzt erkenne ich, wer zu mir spricht.
„GREIFENBACH!“
„Graf von Greifenbach,Führer der Vampire. Bitte, so viel Zeit und Anstand solltest selbst Du haben …“ er blickt auf mein Namensschild „Werteis??? So nennst Du dich heute?? Naja, wenigstens hat mein Erzfeind sich mal endlich einen Namen zugelegt. Früher als wir uns bis aufs Blut bekämpften – hihi – musste ich meine Vasallen immer den Mann ohne Namen jagen lassen. Diese Zeiten sind nun vorbei. Dein Leben übrigens auch. Aber keine Sorge, so schnell machen wir hier noch nicht Schluss. Weißt Du überhaupt, warum wir hier sind? Jetzt wo Du nichts mehr dagegen tun kannst, kann ich es Dir ja ruhig sagen: Wir möchten meine Geliebte Erzsébet von ihrem Todesschlummer erwecken. Doch wir brauchen Geld, viel Geld, um die nordkoreanischen Ärzte zu bezahlen!“

Mein Blut gefriert. Ich muss ihn und seine schwarzen Horden aufhalten. Auf keinen Fall darf er die Blutgräfin wieder zum Leben erwecken. Die Königin der Finsternis! Schon bevor Erzsébet Báthory ein Vampir wurde, galt sie als die berüchtigste Serienmörderin ihrer Zeit. Noch heute ist ihre Tötungsserie unerreicht. Auf 650 bestialische Morde an jungen Frauen soll sie es laut eigenen Aufzeichnungen gebracht haben. Der Legende nach badete sie im Blut der ermordeten Frauen, um ewig jung zu bleiben. Einmal übergoss sie ein junges Mädchen bei eisiger Kälte mit Wasser und erfreute sich mitanzusehen wie das arme Ding quälend zu Grunde ging: sie erstarrte sprichwörtlich zu einer Eissäule. Im Jahre 1611 wurde Báthory endlich gefasst und zusammen mit drei Dienerinnen und einem Diener verurteilt. Die Diener Johannes, Helena und Dorothea verbrannte man auf dem Scheiterhaufen bei lebenigem Leibe. Katarina, die verbliebene Dienerin, kam mit einer Gefängnisstrafe davon und  Erzsébet Báthory wurde in einen dunkeln Turm eingekerkert. Alle Fenster mauerte man zu. Nie wieder sollte die notorische Blutsäuferin Tageslicht erblicken. Kurz vor ihrem Tod begenete sie Greifenbach – er muss in der Gestalt einer Fledermaus in ihr Verlies hinein geschlüpft sein. Er war es, der sie zu einem Vampir machte. Zusammen wollten Sie das 1000-jährige Reich der Finsternis einleuten. Doch ich kam ihnen in die Quere und tötete Greifenbachs Geliebte.

„Dieses Mal wirst Du uns nicht aufhalten. So wie damals beim ersten Versuch der Wiedererweckung in Papua!“ zischt mich Greifenbach an.
„Ich wusste gar nicht, dass ich dich schon einmal aufgehalten hatte. Damals war nur der Hohepriester der Menschenfresser-Pygmäen mein Ziel. Dennoch war es mir eine Freude … AHHHH!“ weiter kann ich nicht sprechen, denn die kleinen Biester hacken mir wieder ins Fleisch.
„Ja, ja. Immer noch ganz der Alte. Sei nur weiterhin so frech. Es wird mir ein Fest sein, Dich umzubringen – und Deine Funny auch!“
„Das wagst Du nicht!“
„Ach ja?! Das werden wir sehen“
„Greifenbach, ich werde Dich aufhalten!“
„Das will ich sehen. MWHAHAHAHHAHAHIHIHHAR!“

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 4)

Januar 27, 2009 · 2 Kommentare

Meine Träume sind wirr. Ich sehe, wie ich in einen schwarzen Turm eindringe. Wo ist Funny? Ich laufe die Treppen immer weiter hinauf. Hinter mir höre ich Schreie, die auf keinen Fall menschlich sein können. Sie klingen wie Dämonen der Vergangenheit. Der Geruch von verbranntem Fleisch liegt in der Luft. Ich atme Blut. Aber wo ist Funny?
„Funny!“
Ich wache schweißgebadet auf. Mein Schädel brummt als hätte eine Gruppe wilder Polka-Tänzer darauf gesteppt. Dennoch quäle ich mich aus den Federn, kratze mich und gehe ins Bad. Während ich mich erleichtere denke ich darüber nach, wie ich meinen Rausschmiss bei Lilly & Pinki Funny wohl erklären kann. Dabei fällt mir ein, wie ich sie vor Jahren kennen gelernt habe.

Einst war Funny eine erfolgreiche Vampirjägerin. Als Lady Mercyless war sie der wandelnde Albtraum der Blutsauger. Gnade war für sie ein Fremdwort. Bei ihrer Jagd nach Vampiren war sie geradezu wie besessen. Eine Bestie. Sie hasste einfach alles, was an den Hälsen der Menschen nippelte. Vermutlich würde das jeder, der hätte mit ansehen müssen, wie eine Horde Nazi-Vampire die eigene Familie leer geschlürft. Funny machte also Jagd auf die Mörder Ihrer Liebsten.

Zum ersten Mal trafen wir uns in Papua. Ich jagte den Hohepriester der Menschenfresser-Pygmäen und sie den Grafen Arnulf von Greifenbach. Ein kosmischer Zufall wollte es, dass sich unsere Wege hier am Ende der Welt kreuzten. Gerade als ich dem Hohepriester den hässlichen Kopf von den Schultern riss, sah ich aus den Augenwinkeln wie Funny den Grafen stellte. Aber von Greifenbach war ein alter Vampir. Und Vampire werden nicht alt, wenn sich nicht zu überleben wissen. Er spulte sein gesamtes Repertoire ab von Drohungen bis hin zu weinerlichem Flehen. Funny hatte eigentlich alles richtig gemacht und wollte ihm mit Ihrer Holzpflock-Armbrust den Rest geben. Aber der Graf hatte durch sein Gesäusel genug Zeit gewonnen, um unbemerkt seine langen gelben Finger nach einem Säugling auszustrecken und ihn als Schutzschild zu missbrauchen.

„Ha ha ha har! Na los, Lady Mercyless. Schieß doch! Aber den Säugling nehme ich mit!“ zischte der Vampir und schleuderte das schreiende Baby in den Abgrund. „Neeeeein!“, schrie Funny und versuchte das Kind zu retten. Doch es war zu spät. Der kleine Schreihals war tot und der Vampir geflohen. Dieser Schock führte bei Funny zu einer Art von posttraumatischem Gedächtnisschwund – zumindest meinten das die Ärzte der heiligen Van Helsing Bruderschaft.  Ich weiß nicht, was das heißt. Jedenfalls lehnt Funny seitdem Gewalt und Waffen katagorisch ab. Um mit Ihr zusammen zu sein, musste ich Ihr versprechen, dass ich auch meinen Job an den Nagel hängen würde. Ich tat es. Denn ohne sie wollte und konnte ich nicht mehr leben.

Zurück im Jetzt. Was soll ich tun, um unser Leben zu finanzieren? Klar, Funny verdient auch etwas, aber das reicht nie für uns beide. Ich könnte zwar wieder arbeiten gehen, aber fürs erste habe ich von stickigen Büroräumen genug. Aber Geld brauchen wir. Doch woher? Woher nehmen, wenn nicht stehlen … STEHLEN! Das ist es: Ich werde eine Bank ausrauben. Sie haben uns alle ohnehin jahrelang beklaut. Die aktuelle Bankenkrise macht es deutlich. Schon bald ist Zahltag!

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 3)

Januar 25, 2009 · 1 Kommentar

Schießen, laden, zielen – nach dieser Divise pflegen nur totale Versager zu arbeiten. Ich dagegen kopiere gleich erfolgreiche Kampagnen und spare mein kreatives Pulver für wirklich wichtige Dinge auf. Beispielsweise für die Nahrungssuche. Mein eingangs erwähnter Hunger ist schließlich immer noch nicht gestillt. Und bevor ich unseren Datenserver und das Internet nach guten Headline- und Kampagnen-Ideen durchforste, will ich erst einmal Energie tanken. Da essen zu lange dauert, muss es eben Sprit sein. Am besten mit ein paar Extraumdrehungen. Ich schleiche also in die Küche und plünder den Geheimvorrat unseres Client Service Directors Marvin Age. „Die Flasche wird sowieso nichts merken“, denke ich und setze an. Auf ex! Gluck, gluck, schluck – ahhhh, das tat gut. Na komm, auf einem Bein kann man nicht stehen und schon fließt der Inhalt der zweiten Flasche meine ausgedorrte Kehle hinunter. Verflucht! Ich glaube der Schnaps vom CSD hat mir den Rest gegeben.
„Haha, schon komisch, dass die Abkürzung für Client Service Director sich nach einer Schwulenparade anhört. Aber passt auch irgendwie, Berater sind sowieso alles Tunten“, höre ich mich sagen. Besser, ich hätte die Finger von Marvins Fusel gelassen, mit den aufkommenden bad Vibrations kann ich nicht arbeiten. Schon fange ich an, wirres Zeug zu reden. Ich glaube, ich lege mich erst einmal hin. Die Arbeit wird sich schon irgendwie von selbst erledigen. Zur Not muss ein Praktikant dran glauben. So war es bisher immer. So wird es immer sein und wenn nicht ist auch egal!

3 Stunden und 15 Minuten später:

Ich habe einen unruhigen Schlaf. Meine Träume quälen mich. Die Geister der Vergangenheit lassen mich nicht in Ruhe. Ich stehe auf und nehme noch einen Schluck. Jetzt kann ich besser schlafen.

7 Stunden und 38 Minuten später:

Ich wache schweißgebadet auf. Der Termin mit CHOCOLATE DE BRUXESSLES ist in 4 Minuten. Meine Klamotten riechen nach Pumakäfig und mein Blut kocht. Ich bin bereit. Ich bin voll da! Alles, was mir fehlt sind Headlines. Ich schaue in den Untiefen meines Rechners nach etwas Verwertbaren. Alter Text, neues Logo, fertig – so lautet die Devise. Noch 2 Minuten bis zum Meeting. Ich suche weiter, mein Puls rast. Unter Druck arbeite ich am besten. Noch 1 Minute. Die Sekunden verrinnen. 40 Sekunden. Mein Chef kommt zu mir und will mich fragen, wo meine Texte seien. Schließlich müssen Sie noch ins Layout. Doch als ihn der Gestank meiner Klamotten anknurrt, macht er auf dem Absatz kehrt. Die letzten 10 Sekunden. Bei den Texten für CANDICE LAFAYETTE Jewlery werde ich schließlich fündig: „Kostbare Verführung“ – passt doch einigermaßen.

Hastig drucke ich die Seiten aus und stürme zum Meeting. Ich reiße die Tür auf – doch was muss ich da erblicken?! Der hirnamputierte CSD, der nichts, aber auch gar nichts zur kreativen Lösung beigetragen hat, sonnt sich im Glanze meiner harten, nächtlichen Arbeit. Zum Kotzen ist das! Ich muss mich erst einmal setzen. Als wäre es nicht schon genug, sehe ich dann noch, dass hier gar nicht meine Kreation vorgestellt wird sondern ein „Werk“, das wir schon einmal vergeblich bei einem anderen Kunden verkaufen wollten. Aus Scheiße werde Gold – nach dieser Divise verfährt Mister Marvin „Laberhans“ Age nur allzu gerne. Doch diesmal nicht. Ich halte diese Demütigung einfach nicht mehr aus.
„Es tut mir schrecklich leid“, ich hebe theatralisch meine Stimme, „aber das Zeug da wird in keinster Weise der Marke CHOCOLATE DE BRUXESSLES gerecht. Ich haue mir hier die Nächte um die Ohren und Ihr habt nichts Besseres zu tun, als … ach, Ihr könnt mich alle mal: Es ist eine geklaute Kampagne und ich halte es für unverantwortlich …“
„Ed! Verdammt, was redest Du?“, schnauzt mich Age an, „das hier ist nicht das CHOCOLATE DE BRUXESSLES Meeting, Du Pfeife. Das ist VECTOR Damenrasierer und jetzt raus hier!“
„Geklaute Kampagne?“ fragt der Kunde, „das ist unerhört …“
Der Rest geht im allgemeinen Geschrei unter. Mittlerweile dürfte auch das echte CHOCOLATE DE BRUXESSLES Meeting ein Desaster sein. „Wenn der Wagen einmal gegen die Wand gefahren ist, brauche ich auch nicht mehr einsteigen“, denke ich und verlasse pünktlich um 10:35 Uhr die Agentur.

Mein Brummschädel braucht dringend eine Pause. Ich gehe nach Hause und schmeiße mich ins Bett. Doch bevor ich richtig einschlafen kann, höre ich mein Telefon klingeln. Das kleine Ding kreischt förmlich. Ich nehme ab.
„Ed, Du blöder Hund wo warst Du?“, brüllt mein Chef, „Marvin sagte, Du hättest Herrn Schmitz von VEKTOR beleidigt. Der Kunde steht offenbar kurz davor, der Agentur zu kündigen. Bravo, Du Genie, damit hast Du heute vielleicht gleich zwei Kunden zum Teufel gejagt. CHOCOLATE DE BRUXESSELS war eine Katastrophe. Ich mach Dich fertig. Du bist …“ Klack. Ich lege auf. Mein Schlaf ist mir wichtig.
„Gut“, sage ich, „dann bin ich eben gefeuert. Es sei!“ Da draußen wartet bestimmt ein neues Abenteuer auf mich.

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 2)

Januar 23, 2009 · 3 Kommentare

Sorry, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Werteis. Ed Werteis. Schon seit ein paar Jahren arbeite ich bei Lilly & Pinki, einer angesagten Werbeagentur, als Texter. Aber ich war nicht immer ein verweichlichter Werber. Vor langer Zeit war ich ein gefragter Auftragskiller. Pro Auftrag sind dabei Summen von bis zu fünf Millionen Euro im Spiel gewesen. Die Welt liebt Geld, doch nur des Geldes wegen habe ich nie gearbeitet. Dafür mochte ich meinen Job zu sehr. Die Spannung, das Adrenalin und natürlich den Moment selbst. Doch das Schönste war: Meine Ziele spürten nie etwas – es sei denn, ich wollte es so. Aber das ist Vergangenheit und alles, was mich momentan interessiert ist mein Hunger. Was bin ich nur für ein bourgeoises Arschloch geworden?! Und alles wegen Ihr. Zugegeben Funny ist eine echte Zuckerschnitte. Aber zu viel Zucker macht den Affen eben nicht munter, sondern fett. Ich darf meinen Körper nicht länger so misshandeln. Seit einiger Zeit habe ich auch wieder mit dem Training begonnen. Und so langsam kommen auch die Reflexe wieder. Außerdem …
„EEEEED!“, habt Ihr das gehört? Das war mein Chef. Ich muss daher dieses kleine Schwätzchen beenden und … „WANN SEHE ICH ENDLICH MAL WIEDER WAS VON DIR?“ … ja, ja ich komm ja schon.
Merkt Ihr jetzt, warum ich die Vergangenheit herbei sehne?! Die gute alte Zeit. Die Zeit von alles oder nichts.
„Mach schon! Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!“, keift das Riesenbaby.
Eigentlich gibt es keinen Grund, warum nicht schon heute wieder gestern sein kann. Wenn Ihr versteht, was ich meine.
„Hier Chef“, ich reiche ihm meine Notizen, „endlich sind mir für unseren neuen Kunden CHOCOLATE DE BRUXESSLES ein paar Claims eingefallen, die – glaube ich – ganz gut sind.“
„Das entscheide immer noch ich! Außerdem sind Deine Ideen meistens sowieso nicht so gut wie Du denkst. CHO gleich 2008 Strich 1 Strich 32 – was ist das für eine beschissene Headline?!“
„Äh, das ist keine Headline, sondern die interne Jobnummer …“
„Mwhahaha, weiß ich doch. Bist voll drauf reingefallen, MWHAHAHAHAHARCHHHHHH!“, mein Chef grunzt wie ein Schwein, wenn er lacht. Koks sei dank!
„Naja, eigentlich finde ich hier bei Deinen Vorschlägen nichts Gutes: Die süße Verführung aus Belgin, Immer eine Sünde wert, Die Schokoladenseite Belgiens … – das ist doch alles Müll. Versuchs doch mal mit Belgiens Schokoladenseite oder Genuss in warmen Braun!“
Warmes Braun! Warmes Braun! Warmes Braun! Immer muss ich mir so eine Scheiße anhören. Eigentlich müsste ich ihm sofort seine Vorschläge dorthin rammen, wo …
„Klar Chef. Wird gemacht!“, aber wie Ihr seht, bin ich genau das Gegenteil von dem, was man couragiert und kämpferisch nennt. Ich ekel mich vor mir selber. Bis morgen muss alles stehen, denn da wollen wir dem Marketing Boss von CHOCOLATE DE BRUXESSLES unsere Kampagnenvorschläge und kreativen Ergüsse präsentieren. Ach, was soll’s. Das ist nichts im Vergleich zu meiner Mission in Mykandi, Südafrika. Was, Ihr habt noch nie von diesem kleinen Land gehört?! Das wundert mich nicht. Denn erstens nennt man Afrika nicht umsonst „den vergessenen Kontinent“ und zweitens existiert seit meiner – erfolgreichen – Mission gegen den grausamen Diktator Mufiffi, dieses Land auch nicht mehr.

Am 27. Oktober 2004 sprang ich mit dem Fallschirm über dem Zielgebiet ab. „Operation: Lion King“ war angelaufen. Mein Auftrag war es, das Volk von ihrem despotischen Diktator zu befreien. Ich schlug mich also durch Gestrüpp und aufgebrachte Menschenmassen durch bis zum Palast Mufiffis. Er schien meine Ankunft bereits bemerkt zu haben und wollte mit seinem Hubschrauber fliehen. Was für ein armseliger Versuch. Wie ein Panther sprang ich über die Straßenblockaden direkt in seinen Hubschrauber. Er schrie. Er flehte. Doch das alles half dem Wurm nichts.
„Irgendeinen letzten Wunsch?“, knurrte ich.
„Uga dagag pmboo tahahalla!“, rief er mir mit zitternder Stimme entgegen.
Keine Ahnung, was er meinte. Ich hoffe es war etwas Sinnvolles, denn schon wenige Sekunden später hielt ich sein noch schlagendes Herz in meiner Hand.
Hinter mir lag der Krieg. Vor mir ein zerstörtes Land. Kaputte Träume. Albträume – ich wollte nicht mehr. Ich denke, das war der Anfang vom Ende von meinem Killer-Dasein. Aber bis dahin sollte es noch ein paar Jahre dauern.

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 1)

Januar 23, 2009 · 9 Kommentare

Start des ersten FloNet Fortsetzungsromans

„Ein Juwel des Crime-Horror-Sweat-Blood-and-Tears-Crossover-Genres!“ Jesse James, Tombstone Journal

An was glaube ich eigentlich? Gott? Nee, Gott ist tot. War mein letzter Auftrag. Der Teufel mein Auftraggeber. Er versprach mir Reichtum und Asche in Hülle und Fülle. Genau das gab es dann auch als Lohn. Asche, Höllenfeuer – der Teufel hat eben einen ganz eigenen Sinn für Humor. Zurück zum Thema. Gott fragte: „Was habe ich Dir getan? Habe ich Dir jemals den Weg vorgegeben? Hattest Du denn nie die freie Wahl? Freiheit ist ein Geschenk. Sei nicht undankbar!“
„Das war keine Freiheit. Das war Beliebigkeit! Der Mensch braucht Regeln, sonst ist alles egal und belanglos. Du hast dich aus der Verantwortung gestohlen. Ich hasse Dich!“
„Ihr Menschen könnt Eure eigenen Götter sein. Aber tu, was Du tun musst! Doch bedenke mein Sohn: vergeben ist göttlich!“
„Ich bin nicht Du!“
Peng! Gott war tot. Den Rest ahnt Ihr vielleicht: Selbst die Hölle spuckte mich aus und so landete ich in der Werbung.

Fortsetzung folgt …

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Killer Headlines

August 22, 2008 · 2 Kommentare

Tödliche Langeweile macht sich breit? Tippt um Euer Leben, spielt „ZOMBIE TYPOCALYPSE“ (Game Factory) und rettet den Tag. Was Ihr in die Tastatur hacken müsst, gurgeln Euch die Zombies entgegen bzw. seht Ihr in den Sprechblasen. Haut rein und textet den Feind tot. Muharhahaar!

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