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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 7)

Januar 30, 2009 · 1 Kommentar

Meine erste Nachtschicht beim Sicherheitsdienst der Global Bank. Heute werde ich es tun. Danach werden unsere Geldsorgen fürs erste gelöst sein. Funny und ich könnten uns endlich anderen Dingen zuwenden. Um Punkt Acht betrete ich Bank. Meine neuen Kollegen begrüßen mich herzlich. Sie können ihren Feierabend kaum erwarten. Sie zeigen mir die Umkleide und den Überwachungsraum und verabschieden sich sofort.

Als ich die Uniform anlege und mich im Spiegel betrachte fühle ich mich wie T. J. Hooker. „Aber auch Du wirst mich heute nicht verhaften!“ sage ich zu meinem Spiegelbild und lächle ein zynisches Lächeln. Zu schlau werde ich vorgehen, zu gerissen, man wird mich niemals fassen. Ich weiß zwar noch nicht wie ich den Haupttresor knacken soll, aber irgendwie werde ich es schon hinkriegen.

Um halb Zehn mache ich meinen ersten Rundgang durch die Bank. Meine Schuhe quietschen auf dem sündhaft teuren Mamorboden. „Dahin fließen also die Ersparnisse der Kunden“, denke ich und werfe einen Blick in die Schalterhalle. Keine Menschenseele ist zu sehen. Gut so! Denn niemand soll mich heute Nacht bei meinem Vorhaben stören. Mein nächster Gang führt mich in die Küche. Nur ein kleiner Schnaps für die Nerven. Ich brauche schließlich eine ruhige Hand und das Rauchen habe ich mir vor Jahren schon abgewöhnt. In einem der hinteren Küchenschränke werde ich schließlich fündig. Ich packe die Flasche ein, hole meine Werkzeugtasche aus dem Spint und gehe zum Haupttresor in den Keller.

Fast majestätisch steht er vor mir. Ein Kunstwerk der Sicherheitstechnik aus poliertem Stahl. Zwei Schlüssel braucht man, um das Ungetüm aufzubrechen. Doch ich habe keinen von beiden. Zuerst versuche ich es also mit meinen alten Ditrichen. Sie brechen alle ab. Wütend schmeiße ich das nutzlose Bündel in die Ecke. Verdammt! Vielleicht hätte ich doch mein Vorgehen genauer planen sollen. Jetzt kriege ich dieses Mistteil nicht auf! Ich krame in meiner Werkzeugtasche nach etwas Brauchbrem. Der Eisenhammer – zu stumpf, das Dynamit – zu laut, der Schweißbrenner – …

In diesem Moment höre ich ein Klirren auf dem Boden aus der oberen Etage. So als ob Glassplitter auf den Boden bröseln. Wer mag das sein? Ich schleiche langsam nach oben. Taschenlampe und Pistole im Anschlag. Da sehe ich einen großen Schatten ungefähr drei Meter vor mir vorbei huschen. Was war das?! Ich leuchte in die Richtung. Vor mir sitzt ein dunkles Stoffknäuel. Als ich näher komme, fängt es an zu fauchen.

„Ok, das war’s! Hände über den Kopf und langsam hervor treten!“
Das Ding reagiert nicht.
„Los jetzt! Beweg Dich!“
Ich mache einen Schritt auf die mysteriöse Gestalt zu. Ich kann seine spitzen, grauen Ohren erkennen. Sein kahler Schädel reflektiert das Licht der Taschenlampe und blendet mich ein wenig. Was für ein Ding mag das da nur sein?!
Bevor ich noch einen Schritt auf die Gestalt zugehen kann, höre ich ein hektisches Rascheln in der Luft. Es kommt näher. Rasch näher. Aus dem Rascheln wird Geflatter und nur wenige Sekunden später bin ich von einer Horde Fledermäuse umgeben. Mit ihren kleinen scharfen Klauen zerfetzen Sie meine Uniform innerhalb weniger Augenblicke. Dann krallen die Biester mir ins Fleisch und ziehen mich nach oben. Wie ein dicker schwarzer Nebel umschwirren mich diese Ausgeburten der Hölle. Die Schmerzen sind übermenschlich. Längst habe ich mein ursprüngliches Vorhaben vergessen und ein neues Ziel gewählt: Diese Blutsauger zu vernichten. Ja, richtig, es handelt sich um Vampire!
„Wen haben wir den da?“ fragt er dunkle Schatten mit den spitzen Ohren.
Der Fledermaus-Nebel löst sich auf. Jetzt erkenne ich, wer zu mir spricht.
„GREIFENBACH!“
„Graf von Greifenbach,Führer der Vampire. Bitte, so viel Zeit und Anstand solltest selbst Du haben …“ er blickt auf mein Namensschild „Werteis??? So nennst Du dich heute?? Naja, wenigstens hat mein Erzfeind sich mal endlich einen Namen zugelegt. Früher als wir uns bis aufs Blut bekämpften – hihi – musste ich meine Vasallen immer den Mann ohne Namen jagen lassen. Diese Zeiten sind nun vorbei. Dein Leben übrigens auch. Aber keine Sorge, so schnell machen wir hier noch nicht Schluss. Weißt Du überhaupt, warum wir hier sind? Jetzt wo Du nichts mehr dagegen tun kannst, kann ich es Dir ja ruhig sagen: Wir möchten meine Geliebte Erzsébet von ihrem Todesschlummer erwecken. Doch wir brauchen Geld, viel Geld, um die nordkoreanischen Ärzte zu bezahlen!“

Mein Blut gefriert. Ich muss ihn und seine schwarzen Horden aufhalten. Auf keinen Fall darf er die Blutgräfin wieder zum Leben erwecken. Die Königin der Finsternis! Schon bevor Erzsébet Báthory ein Vampir wurde, galt sie als die berüchtigste Serienmörderin ihrer Zeit. Noch heute ist ihre Tötungsserie unerreicht. Auf 650 bestialische Morde an jungen Frauen soll sie es laut eigenen Aufzeichnungen gebracht haben. Der Legende nach badete sie im Blut der ermordeten Frauen, um ewig jung zu bleiben. Einmal übergoss sie ein junges Mädchen bei eisiger Kälte mit Wasser und erfreute sich mitanzusehen wie das arme Ding quälend zu Grunde ging: sie erstarrte sprichwörtlich zu einer Eissäule. Im Jahre 1611 wurde Báthory endlich gefasst und zusammen mit drei Dienerinnen und einem Diener verurteilt. Die Diener Johannes, Helena und Dorothea verbrannte man auf dem Scheiterhaufen bei lebenigem Leibe. Katarina, die verbliebene Dienerin, kam mit einer Gefängnisstrafe davon und  Erzsébet Báthory wurde in einen dunkeln Turm eingekerkert. Alle Fenster mauerte man zu. Nie wieder sollte die notorische Blutsäuferin Tageslicht erblicken. Kurz vor ihrem Tod begenete sie Greifenbach – er muss in der Gestalt einer Fledermaus in ihr Verlies hinein geschlüpft sein. Er war es, der sie zu einem Vampir machte. Zusammen wollten Sie das 1000-jährige Reich der Finsternis einleuten. Doch ich kam ihnen in die Quere und tötete Greifenbachs Geliebte.

„Dieses Mal wirst Du uns nicht aufhalten. So wie damals beim ersten Versuch der Wiedererweckung in Papua!“ zischt mich Greifenbach an.
„Ich wusste gar nicht, dass ich dich schon einmal aufgehalten hatte. Damals war nur der Hohepriester der Menschenfresser-Pygmäen mein Ziel. Dennoch war es mir eine Freude … AHHHH!“ weiter kann ich nicht sprechen, denn die kleinen Biester hacken mir wieder ins Fleisch.
„Ja, ja. Immer noch ganz der Alte. Sei nur weiterhin so frech. Es wird mir ein Fest sein, Dich umzubringen – und Deine Funny auch!“
„Das wagst Du nicht!“
„Ach ja?! Das werden wir sehen“
„Greifenbach, ich werde Dich aufhalten!“
„Das will ich sehen. MWHAHAHAHHAHAHIHIHHAR!“

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 5)

Januar 28, 2009 · 1 Kommentar

Gerade als ich den Entschluss für den Bankraub getroffen habe, höre ich Funny die Wohnungstür öffnen. Sie scheint überrascht zu sein, mich zu sehen.
„Warum bist Du schon zu Hause?“
„Ich wurde gefeuert“, knurre ich liebevoll.
„Oh, mein armer Schatz! Wie kann ich Dich trösten?“ Sie lächelt wie nur eine Göttin lächeln kann. Ich liebe ihren Erdbeermund.

Meine Wünsche werden erfüllt ohne dass ich sie aussprechen muss. Funny weiß eben was ein Mann braucht. Sex ist für uns so etwas wie Akrobatik. Wie immer präsentiert sich Funny in Topform. Ich fange erst gar nicht an zu fragen, ob ich so etwas Schönes verdient habe. So viel Liebe. Wir entschweben ins Nirwana der Lust.

Nach ein paar schönen Stunden bringt mich eine Frage Funnys wieder zurück auf den Boden. „Wie soll es jetzt weiter gehen?“, sagt sie, „von meinem Gehalt können wir nicht beide leben.“„Keine Sorge, mir fällt schon was ein.“, entgegne ich ruhig. Natürlich habe ich noch keinen genauen Plan, aber das darf ich meinem Täubchen nicht sagen. Von dem Bankraub erst recht nicht! Sonst macht sie sich wieder Sorgen. Es ist wie mit den Häschen: Sie sind klein, hoppeln gerne auf der Wiese und genießen ihr Hasendasein. Aber perspektivlose Dunkelheit macht ihnen Angst. Dann fangen sie an zu klopfen und Lärm ist jetzt das Letzte, was ich brauchen kann. Ich muss nachdenken.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Ich könnte mich in den Wachdienst einschleichen, die Nachtschicht übernehmen und bei Einbruch der Dunkelheit den Tresor leer räumen. Keine Zeugen. Keine Gewalt. Kein Spaß. Viel lieber würde ich meine Schrotflinte packen und einfach in die Filiale meiner Wahl  stürmen. Dem Schlipsträger hinter dem Schalter schmiss ich eine Tasche zu: „Voll machen!“ Und nach 30 Sekunden wär ich auch schon wieder raus. Aber stopp! Ich habe Funny versprochen, nie wieder eine Waffe anzufassen. Ein Wort ist ein Wort. Ich mach es auf die subtile, langweilige Art. Dafür ohne Kollateralschäden. Funny wird es mir danken, wie nur Funny es mir danken kann. Nur schwer kann ich mir ein Grinsen verkneifen.
„Was ist?“, fragt Funny.
„Ach nichts, Kleines. Ich glaube, ich habe gerade nur unsere Geldprobleme gelöst.“
„Wie hast Du das geschafft?“
„Lass Dich überraschen.“

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 4)

Januar 27, 2009 · 2 Kommentare

Meine Träume sind wirr. Ich sehe, wie ich in einen schwarzen Turm eindringe. Wo ist Funny? Ich laufe die Treppen immer weiter hinauf. Hinter mir höre ich Schreie, die auf keinen Fall menschlich sein können. Sie klingen wie Dämonen der Vergangenheit. Der Geruch von verbranntem Fleisch liegt in der Luft. Ich atme Blut. Aber wo ist Funny?
„Funny!“
Ich wache schweißgebadet auf. Mein Schädel brummt als hätte eine Gruppe wilder Polka-Tänzer darauf gesteppt. Dennoch quäle ich mich aus den Federn, kratze mich und gehe ins Bad. Während ich mich erleichtere denke ich darüber nach, wie ich meinen Rausschmiss bei Lilly & Pinki Funny wohl erklären kann. Dabei fällt mir ein, wie ich sie vor Jahren kennen gelernt habe.

Einst war Funny eine erfolgreiche Vampirjägerin. Als Lady Mercyless war sie der wandelnde Albtraum der Blutsauger. Gnade war für sie ein Fremdwort. Bei ihrer Jagd nach Vampiren war sie geradezu wie besessen. Eine Bestie. Sie hasste einfach alles, was an den Hälsen der Menschen nippelte. Vermutlich würde das jeder, der hätte mit ansehen müssen, wie eine Horde Nazi-Vampire die eigene Familie leer geschlürft. Funny machte also Jagd auf die Mörder Ihrer Liebsten.

Zum ersten Mal trafen wir uns in Papua. Ich jagte den Hohepriester der Menschenfresser-Pygmäen und sie den Grafen Arnulf von Greifenbach. Ein kosmischer Zufall wollte es, dass sich unsere Wege hier am Ende der Welt kreuzten. Gerade als ich dem Hohepriester den hässlichen Kopf von den Schultern riss, sah ich aus den Augenwinkeln wie Funny den Grafen stellte. Aber von Greifenbach war ein alter Vampir. Und Vampire werden nicht alt, wenn sich nicht zu überleben wissen. Er spulte sein gesamtes Repertoire ab von Drohungen bis hin zu weinerlichem Flehen. Funny hatte eigentlich alles richtig gemacht und wollte ihm mit Ihrer Holzpflock-Armbrust den Rest geben. Aber der Graf hatte durch sein Gesäusel genug Zeit gewonnen, um unbemerkt seine langen gelben Finger nach einem Säugling auszustrecken und ihn als Schutzschild zu missbrauchen.

„Ha ha ha har! Na los, Lady Mercyless. Schieß doch! Aber den Säugling nehme ich mit!“ zischte der Vampir und schleuderte das schreiende Baby in den Abgrund. „Neeeeein!“, schrie Funny und versuchte das Kind zu retten. Doch es war zu spät. Der kleine Schreihals war tot und der Vampir geflohen. Dieser Schock führte bei Funny zu einer Art von posttraumatischem Gedächtnisschwund – zumindest meinten das die Ärzte der heiligen Van Helsing Bruderschaft.  Ich weiß nicht, was das heißt. Jedenfalls lehnt Funny seitdem Gewalt und Waffen katagorisch ab. Um mit Ihr zusammen zu sein, musste ich Ihr versprechen, dass ich auch meinen Job an den Nagel hängen würde. Ich tat es. Denn ohne sie wollte und konnte ich nicht mehr leben.

Zurück im Jetzt. Was soll ich tun, um unser Leben zu finanzieren? Klar, Funny verdient auch etwas, aber das reicht nie für uns beide. Ich könnte zwar wieder arbeiten gehen, aber fürs erste habe ich von stickigen Büroräumen genug. Aber Geld brauchen wir. Doch woher? Woher nehmen, wenn nicht stehlen … STEHLEN! Das ist es: Ich werde eine Bank ausrauben. Sie haben uns alle ohnehin jahrelang beklaut. Die aktuelle Bankenkrise macht es deutlich. Schon bald ist Zahltag!

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 3)

Januar 25, 2009 · 1 Kommentar

Schießen, laden, zielen – nach dieser Divise pflegen nur totale Versager zu arbeiten. Ich dagegen kopiere gleich erfolgreiche Kampagnen und spare mein kreatives Pulver für wirklich wichtige Dinge auf. Beispielsweise für die Nahrungssuche. Mein eingangs erwähnter Hunger ist schließlich immer noch nicht gestillt. Und bevor ich unseren Datenserver und das Internet nach guten Headline- und Kampagnen-Ideen durchforste, will ich erst einmal Energie tanken. Da essen zu lange dauert, muss es eben Sprit sein. Am besten mit ein paar Extraumdrehungen. Ich schleiche also in die Küche und plünder den Geheimvorrat unseres Client Service Directors Marvin Age. „Die Flasche wird sowieso nichts merken“, denke ich und setze an. Auf ex! Gluck, gluck, schluck – ahhhh, das tat gut. Na komm, auf einem Bein kann man nicht stehen und schon fließt der Inhalt der zweiten Flasche meine ausgedorrte Kehle hinunter. Verflucht! Ich glaube der Schnaps vom CSD hat mir den Rest gegeben.
„Haha, schon komisch, dass die Abkürzung für Client Service Director sich nach einer Schwulenparade anhört. Aber passt auch irgendwie, Berater sind sowieso alles Tunten“, höre ich mich sagen. Besser, ich hätte die Finger von Marvins Fusel gelassen, mit den aufkommenden bad Vibrations kann ich nicht arbeiten. Schon fange ich an, wirres Zeug zu reden. Ich glaube, ich lege mich erst einmal hin. Die Arbeit wird sich schon irgendwie von selbst erledigen. Zur Not muss ein Praktikant dran glauben. So war es bisher immer. So wird es immer sein und wenn nicht ist auch egal!

3 Stunden und 15 Minuten später:

Ich habe einen unruhigen Schlaf. Meine Träume quälen mich. Die Geister der Vergangenheit lassen mich nicht in Ruhe. Ich stehe auf und nehme noch einen Schluck. Jetzt kann ich besser schlafen.

7 Stunden und 38 Minuten später:

Ich wache schweißgebadet auf. Der Termin mit CHOCOLATE DE BRUXESSLES ist in 4 Minuten. Meine Klamotten riechen nach Pumakäfig und mein Blut kocht. Ich bin bereit. Ich bin voll da! Alles, was mir fehlt sind Headlines. Ich schaue in den Untiefen meines Rechners nach etwas Verwertbaren. Alter Text, neues Logo, fertig – so lautet die Devise. Noch 2 Minuten bis zum Meeting. Ich suche weiter, mein Puls rast. Unter Druck arbeite ich am besten. Noch 1 Minute. Die Sekunden verrinnen. 40 Sekunden. Mein Chef kommt zu mir und will mich fragen, wo meine Texte seien. Schließlich müssen Sie noch ins Layout. Doch als ihn der Gestank meiner Klamotten anknurrt, macht er auf dem Absatz kehrt. Die letzten 10 Sekunden. Bei den Texten für CANDICE LAFAYETTE Jewlery werde ich schließlich fündig: „Kostbare Verführung“ – passt doch einigermaßen.

Hastig drucke ich die Seiten aus und stürme zum Meeting. Ich reiße die Tür auf – doch was muss ich da erblicken?! Der hirnamputierte CSD, der nichts, aber auch gar nichts zur kreativen Lösung beigetragen hat, sonnt sich im Glanze meiner harten, nächtlichen Arbeit. Zum Kotzen ist das! Ich muss mich erst einmal setzen. Als wäre es nicht schon genug, sehe ich dann noch, dass hier gar nicht meine Kreation vorgestellt wird sondern ein „Werk“, das wir schon einmal vergeblich bei einem anderen Kunden verkaufen wollten. Aus Scheiße werde Gold – nach dieser Divise verfährt Mister Marvin „Laberhans“ Age nur allzu gerne. Doch diesmal nicht. Ich halte diese Demütigung einfach nicht mehr aus.
„Es tut mir schrecklich leid“, ich hebe theatralisch meine Stimme, „aber das Zeug da wird in keinster Weise der Marke CHOCOLATE DE BRUXESSLES gerecht. Ich haue mir hier die Nächte um die Ohren und Ihr habt nichts Besseres zu tun, als … ach, Ihr könnt mich alle mal: Es ist eine geklaute Kampagne und ich halte es für unverantwortlich …“
„Ed! Verdammt, was redest Du?“, schnauzt mich Age an, „das hier ist nicht das CHOCOLATE DE BRUXESSLES Meeting, Du Pfeife. Das ist VECTOR Damenrasierer und jetzt raus hier!“
„Geklaute Kampagne?“ fragt der Kunde, „das ist unerhört …“
Der Rest geht im allgemeinen Geschrei unter. Mittlerweile dürfte auch das echte CHOCOLATE DE BRUXESSLES Meeting ein Desaster sein. „Wenn der Wagen einmal gegen die Wand gefahren ist, brauche ich auch nicht mehr einsteigen“, denke ich und verlasse pünktlich um 10:35 Uhr die Agentur.

Mein Brummschädel braucht dringend eine Pause. Ich gehe nach Hause und schmeiße mich ins Bett. Doch bevor ich richtig einschlafen kann, höre ich mein Telefon klingeln. Das kleine Ding kreischt förmlich. Ich nehme ab.
„Ed, Du blöder Hund wo warst Du?“, brüllt mein Chef, „Marvin sagte, Du hättest Herrn Schmitz von VEKTOR beleidigt. Der Kunde steht offenbar kurz davor, der Agentur zu kündigen. Bravo, Du Genie, damit hast Du heute vielleicht gleich zwei Kunden zum Teufel gejagt. CHOCOLATE DE BRUXESSELS war eine Katastrophe. Ich mach Dich fertig. Du bist …“ Klack. Ich lege auf. Mein Schlaf ist mir wichtig.
„Gut“, sage ich, „dann bin ich eben gefeuert. Es sei!“ Da draußen wartet bestimmt ein neues Abenteuer auf mich.

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 2)

Januar 23, 2009 · 3 Kommentare

Sorry, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Werteis. Ed Werteis. Schon seit ein paar Jahren arbeite ich bei Lilly & Pinki, einer angesagten Werbeagentur, als Texter. Aber ich war nicht immer ein verweichlichter Werber. Vor langer Zeit war ich ein gefragter Auftragskiller. Pro Auftrag sind dabei Summen von bis zu fünf Millionen Euro im Spiel gewesen. Die Welt liebt Geld, doch nur des Geldes wegen habe ich nie gearbeitet. Dafür mochte ich meinen Job zu sehr. Die Spannung, das Adrenalin und natürlich den Moment selbst. Doch das Schönste war: Meine Ziele spürten nie etwas – es sei denn, ich wollte es so. Aber das ist Vergangenheit und alles, was mich momentan interessiert ist mein Hunger. Was bin ich nur für ein bourgeoises Arschloch geworden?! Und alles wegen Ihr. Zugegeben Funny ist eine echte Zuckerschnitte. Aber zu viel Zucker macht den Affen eben nicht munter, sondern fett. Ich darf meinen Körper nicht länger so misshandeln. Seit einiger Zeit habe ich auch wieder mit dem Training begonnen. Und so langsam kommen auch die Reflexe wieder. Außerdem …
„EEEEED!“, habt Ihr das gehört? Das war mein Chef. Ich muss daher dieses kleine Schwätzchen beenden und … „WANN SEHE ICH ENDLICH MAL WIEDER WAS VON DIR?“ … ja, ja ich komm ja schon.
Merkt Ihr jetzt, warum ich die Vergangenheit herbei sehne?! Die gute alte Zeit. Die Zeit von alles oder nichts.
„Mach schon! Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!“, keift das Riesenbaby.
Eigentlich gibt es keinen Grund, warum nicht schon heute wieder gestern sein kann. Wenn Ihr versteht, was ich meine.
„Hier Chef“, ich reiche ihm meine Notizen, „endlich sind mir für unseren neuen Kunden CHOCOLATE DE BRUXESSLES ein paar Claims eingefallen, die – glaube ich – ganz gut sind.“
„Das entscheide immer noch ich! Außerdem sind Deine Ideen meistens sowieso nicht so gut wie Du denkst. CHO gleich 2008 Strich 1 Strich 32 – was ist das für eine beschissene Headline?!“
„Äh, das ist keine Headline, sondern die interne Jobnummer …“
„Mwhahaha, weiß ich doch. Bist voll drauf reingefallen, MWHAHAHAHAHARCHHHHHH!“, mein Chef grunzt wie ein Schwein, wenn er lacht. Koks sei dank!
„Naja, eigentlich finde ich hier bei Deinen Vorschlägen nichts Gutes: Die süße Verführung aus Belgin, Immer eine Sünde wert, Die Schokoladenseite Belgiens … – das ist doch alles Müll. Versuchs doch mal mit Belgiens Schokoladenseite oder Genuss in warmen Braun!“
Warmes Braun! Warmes Braun! Warmes Braun! Immer muss ich mir so eine Scheiße anhören. Eigentlich müsste ich ihm sofort seine Vorschläge dorthin rammen, wo …
„Klar Chef. Wird gemacht!“, aber wie Ihr seht, bin ich genau das Gegenteil von dem, was man couragiert und kämpferisch nennt. Ich ekel mich vor mir selber. Bis morgen muss alles stehen, denn da wollen wir dem Marketing Boss von CHOCOLATE DE BRUXESSLES unsere Kampagnenvorschläge und kreativen Ergüsse präsentieren. Ach, was soll’s. Das ist nichts im Vergleich zu meiner Mission in Mykandi, Südafrika. Was, Ihr habt noch nie von diesem kleinen Land gehört?! Das wundert mich nicht. Denn erstens nennt man Afrika nicht umsonst „den vergessenen Kontinent“ und zweitens existiert seit meiner – erfolgreichen – Mission gegen den grausamen Diktator Mufiffi, dieses Land auch nicht mehr.

Am 27. Oktober 2004 sprang ich mit dem Fallschirm über dem Zielgebiet ab. „Operation: Lion King“ war angelaufen. Mein Auftrag war es, das Volk von ihrem despotischen Diktator zu befreien. Ich schlug mich also durch Gestrüpp und aufgebrachte Menschenmassen durch bis zum Palast Mufiffis. Er schien meine Ankunft bereits bemerkt zu haben und wollte mit seinem Hubschrauber fliehen. Was für ein armseliger Versuch. Wie ein Panther sprang ich über die Straßenblockaden direkt in seinen Hubschrauber. Er schrie. Er flehte. Doch das alles half dem Wurm nichts.
„Irgendeinen letzten Wunsch?“, knurrte ich.
„Uga dagag pmboo tahahalla!“, rief er mir mit zitternder Stimme entgegen.
Keine Ahnung, was er meinte. Ich hoffe es war etwas Sinnvolles, denn schon wenige Sekunden später hielt ich sein noch schlagendes Herz in meiner Hand.
Hinter mir lag der Krieg. Vor mir ein zerstörtes Land. Kaputte Träume. Albträume – ich wollte nicht mehr. Ich denke, das war der Anfang vom Ende von meinem Killer-Dasein. Aber bis dahin sollte es noch ein paar Jahre dauern.

Fortsetzung folgt …

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Das Mord-und-Totschlag-Mysterium (Teil 1)

Januar 23, 2009 · 9 Kommentare

Start des ersten FloNet Fortsetzungsromans

„Ein Juwel des Crime-Horror-Sweat-Blood-and-Tears-Crossover-Genres!“ Jesse James, Tombstone Journal

An was glaube ich eigentlich? Gott? Nee, Gott ist tot. War mein letzter Auftrag. Der Teufel mein Auftraggeber. Er versprach mir Reichtum und Asche in Hülle und Fülle. Genau das gab es dann auch als Lohn. Asche, Höllenfeuer – der Teufel hat eben einen ganz eigenen Sinn für Humor. Zurück zum Thema. Gott fragte: „Was habe ich Dir getan? Habe ich Dir jemals den Weg vorgegeben? Hattest Du denn nie die freie Wahl? Freiheit ist ein Geschenk. Sei nicht undankbar!“
„Das war keine Freiheit. Das war Beliebigkeit! Der Mensch braucht Regeln, sonst ist alles egal und belanglos. Du hast dich aus der Verantwortung gestohlen. Ich hasse Dich!“
„Ihr Menschen könnt Eure eigenen Götter sein. Aber tu, was Du tun musst! Doch bedenke mein Sohn: vergeben ist göttlich!“
„Ich bin nicht Du!“
Peng! Gott war tot. Den Rest ahnt Ihr vielleicht: Selbst die Hölle spuckte mich aus und so landete ich in der Werbung.

Fortsetzung folgt …

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Miezen, Blei und Blut

Januar 22, 2008 · Kommentar schreiben

hardboiled.jpg

© Frank Miller and Geof Darrow

Der Hardboiled detective ist ein Asphaltcowboy, nur den eigenen Vorstellungen von Recht verpflichtet. Er hat eine illusionslose bis zynische Sicht auf die Welt, nimmt keine Rücksicht auf geltende Gesetzesnormen, macht unbedenklich von der Schusswaffe Gebrauch und lebt in latentem oder offenem Konflikt mit der Polizei. Er bevorzugt hochprozentige Getränke, als Mann ist er sexuellen Abenteuern deutlich zugeneigt, hat jedoch gleichzeitig ein vergleichsweise hohes Maß an Frauenverachtung. (Quelle: Wikipedia; Stand 22. Januar 2008)

Dieses Genre der amerikanischen Kriminal- und Pulp-Literatur ist eng verknüpft mit dem Namen Mickey Spillane („Mike Hammer“), Raymond Chandler („Philip Marlowe„) und Dashiell Hammett („Sam Spade“). Die von diesen Autoren geschaffenen Helden „glänzen“ durch ihre Brutalomethoden und ihre Machoattitüden. Es sind also ganz normale Männerfiguren wie Du und ich. :)

Auch in der Welt der Comics hat der „hardboiled detective“ ein Zuhause gefunden. Gerade die von Frank Miller 1991/92 mit „The hard Goodbye“ begonnene Comic-Serie „Sin City“ ist das Musterbeispiel für eine gelungene Umsetzung des insbesondere auch durch die „Film Noir“ geprägte Bildsprache des Genres. In harten Schwarzweiß-Kontrasten bebildert Miller die Aktionen seiner holzschnittartigen Charaktere und lässt den Leser dabei tief in die düstere Welt der Gangster und Skrupellosen eintauchen. Die Geschichte um den miesen Schläger Marv war so erfolgreich, dass noch weitere Geschichten und sogar ein Kinofilm folgten.

Sogar noch vor Sin City kreierte Miller zusammen mit dem Zeichner Geof Darrow die satirische Science Fiction Crime Story „Hard Boiled“. Die Geschichte dreht sich um einen Typen namens Nixon bzw. Carl Seltz oder auch Carl Burns – so genau weiß der Protagonist das selbst nicht. Fest steht nur, dass sein neuer Auftrag ihn zu einer alten Frau führt, die offenbar schuldig der Vorspiegelung falscher Tatsachen ist. Damit konfrontiert nimmt die Oma scheinbar ein Kind als Geisel und eröffnet das Feuer. Nach vielen Explosionen und noch mehr Verbrennungen später erwacht Seltz alias Burns oder Nixon ohne Haut und Fleisch, dafür aber als Roboter wieder. Seine Antwort darauf: „What the heck’s going on? I thought I was a normal guy! I can’t go back to the wife and kids looking like this.“ Tja, der Mann hat Probleme …

Wem diese Geschichte nun etwas dünn erscheinen mag (sie basiert übrigens auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick), liegt nicht ganz falsch. Dennoch ist „Hard Boiled“ eine humorige Unterhaltung und Bereicherung für jeden, der den Widrigkeiten des Alltags stets mit einer großen Portion Zynismus begegnet. Das Highlight dieses Comics sind aber die äußerst detaillierten und von Action druchfluteten Zeichnungen Darrows. Selten zuvor und auch nicht mehr allzu oft nach „Hard Boiled“ hat man solche druchgearbeiteten und liebevoll gestalteten Zeichnungen gesehen. Es scheint so, als ob jedes Schräubchen und Metallstück, welches aus den explodierenden Autowracks und zerplatzenden Körpern fetzt, originalgetreu abgebildet wird. Für manche sind derlei Szenen Zucker für die Augen für andere dagegen ist die damit verbundene Gewaltdarstellung ein hervorragendes Brechmittel. Die „Mutigen“, die sich dennoch trauen, diesen Comic einmal durchzublättern können sich auf 128 Seiten feinste „Hard boiled“-Action freuen.

Kategorien: Comic · Culture
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